Allgemein, Fernsehen

Der Talkshow-Irrgarten

Die Freitags-Talkshows in den dritten Programmen der ARD machen es einem ganz schön schwer. Nicht weil sie schlecht wären, ganz im Gegenteil: die illustren Runden mit routinierten, eingespielten Moderatoren sowie mit prominenten und unbekannten Gästen liefern beste Unterhaltung und erfreuen sich auch großer Beliebtheit. Nein, es geht nicht um die Qualität der Sendungen, sondern darum, wo wann wer talkt; also um Sender, Laufzeiten und Moderatoren.

Haben Sie schon einmal versucht, jemandem verständlich zu erklären, welche Talkshows am Freitag in den Dritten laufen? Und auf welchem Sender? Und wer sie moderiert? Wenn ja, dann sind Sie wahrscheinlich kläglich daran gescheitert. Aber denken Sie sich nichts. Das kurz und schlüssig zu erklären, ist nämlich kaum möglich. Was für Medien! versucht es trotzdem.

Es beginnt zunächst ganz harmlos: alle Talkshows in den Dritten starten am Freitag um 22 Uhr. Im WDR zum Beispiel lädt Bettina Böttinger zum Kölner Treff. Aber dann ist auch schon Schluss mit der Einfachheit. Denn Böttinger ist im Kölner Treff nicht jede Woche zu sehen. Ab und zu moderieren hier auch Susan Link und Micky Beisenherz als Duo. Die beiden waren zunächst nur als Urlaubsvertretung von Böttinger im Einsatz. Mittlerweile machen sie laut Homepage des Kölner Treffs „gut ein Drittel“ aller Ausgaben. Wie viele genau und in welchem Rhythmus steht nicht da.

Der Kölner Treff dauert bis 23.30 Uhr. Das ist eine halbe Stunde kürzer als die NDR-Talkshow, die von 22 bis Null Uhr läuft. Sie gibt es auf NDR und HR dreimal im Monat mit – und jetzt wird es kompliziert – gleich zwei Moderatoren-Paaren. Am öftesten, und zwar zweimal im Monat, moderieren Barbara Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhardt. Einmal im Monat führen Bettina Tietjen und Jörg Pilawa durch die Sendung. Und in der vierten Woche – in der es ja keine NDR-Talkshow gibt – übernimmt der NDR die Sendung 3 nach 9 von Radio Bremen. Gastgeber der dienstältesten Talkshow im deutschen Fernsehen sind Judith Rakers und Giovanni di Lorenzo. 3 nach 9 wird auch auf HR und RBB ausgestrahlt.

Daneben sendet der SWR das Nachtcafé mit Michael Steinbrecher, allerdings nur bis 23.30 Uhr. Und im MDR präsentieren Kim Fischer und Jörg Kachelmann das Riverboat, zwei Stunden lang und immerhin ganz regelmäßig jede Woche. Allerdings tritt Kachelmann mittlerweile kürzer. Und weil der MDR weiterhin auf ein Duo setzt, befragt im 14-täglichen Rhythmus jetzt immer ein anderer Gastmoderator neben Fischer die Gäste.

Doch damit nicht genug. Denn es gibt noch den Sendeplatz „Talk am Dienstag“ im Ersten um 22.50 Uhr. Hier wechseln sich einige – aber längst nicht alle – der Freitags-Talkshows ab. Das sind: Kölner TreffNDR-Talkshow3 nach 9 und Nachtcafé. Hinzu kommen Hier spricht Berlin! (RBB) mit Eva-Maria Lemke und Jessy Wellmer, Lebenslieder (RBB) mit Max Mutzke und Club 1 (BR) mit Hannes Ringlstetter. Club 1 ist aber nicht zu verwechseln – oder vielleicht doch – mit Ringlstetter, das donnerstags im BR-Fernsehen läuft. Die Laufzeit des „Talks am Dienstag“ variiert je nach Sendung zwischen eineinhalb und zwei Stunden.

Ganz schwierig wird es, wenn mal ein Moderator ausfällt. Das führt zu völlig neuen Paar-Konstellationen. Als bei der NDR-Talkshow Hubertus Meyer-Burckhardt wegen einer Virus-Infektion pausieren musste, begrüßte Jörg Pilawa – nun an der Seite von Barbara Schöneberger – die Fernsehzuschauer. Andersrum geht es auch: Weil Pilawa bei der Produktion des Quiz ohne Grenzen sein musste, sprang Meyer-Burkhardt für ihn ein und saß gegenüber von Bettina Tietjen. Puh!

Man kann noch eins drauf setzen. Denn das Verwirrspiel wird komplett, wenn ein Moderator zu Gast in einer Sendung ist, die er zum Teil selber moderiert. Also zum Beispiel Pilawa in der NDR-Talkshow von Schöneberger und Meyer-Burckhardt. Und angenommen, einer der Moderatoren wird dann noch vertreten – nein, lieber nicht. Anhand des Fernsehbildes wäre dann nicht mehr zu sagen, welche Sendung man gerade schaut. 

Die große Zahl an Talkshows, und damit an Moderatoren und Gästen, garantiert, dass für jeden Zuschauer etwas dabei ist. Vielfalt ist gut, schön und wichtig. Das wäre Übersichtlichkeit aber auch.

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