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Der Elstnertainer: Frank Elstner aus der Nähe

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In der Schule war er der kleine Junge mit dem Glasauge und wurde oft übergangen oder gehänselt. Aber wenn er vor der Klasse ein Gedicht aufsagte, dann hörten ihm plötzlich alle zu. Gehör muss sich Frank Elstner jetzt nicht mehr verschaffen. Auch ich hörte ihm gut zu, als ich mich das erste Mal mit ihm unterhielt. Das war 1990. Da saß ich im Publikum der von ihm moderierten ZDF-Sendung Wir stellen uns und sprach ihn hinterher an, weil ich einen Rat wollte, an wen ich eigene Showkonzepte schicken sollte. Tipps gab er mir gleich einige. Und dass er großes Interesse am Nachwuchs hat, erfuhr ich Jahre später als Redakteur bei ihm in Baden-Baden.

„Der andere könnte Recht haben“

Frank Elstner mag Menschen. Er interessiert sich für sie und hört ihnen zu. Deshalb sind seine Gespräche auch so gut. Das ist so in seinen Sendungen, genauso wie im wirklichen Leben. Auch da schätzt er die Personen um ihn herum. Er ist zum Beispiel sehr darauf bedacht, sich um jeden einzelnen Mitarbeiter zu kümmern. Vor einer Sendung gibt er jedem Tontechniker und Kabelträger die Hand. An einem Montag kam er in die Redaktion von Menschen der Woche, versammelte alle Mitarbeiter und sagte: „Leute, ich habe am Samstag fürchterlich schlecht moderiert.“ Gemeinsam haben wir dann die Sendung angeschaut und immer das Band angehalten, wenn ihm etwas nicht gefiel. Er wollte von jedem wissen, was man besser hätte machen können. Ein Lebensmotto für ihn ist der Satz des Philosophen Hans-Georg Gadamer: „Der andere könnte Recht haben.“ Das kann für ihn der Unterhaltungschef genauso wie der Praktikant oder seine Ehefrau sein. Bei der Sitzung holte er auf diese Weise die Mitarbeiter auf seine Seite. Das war die eindrucksvollste und konstruktivste Redaktionssitzung, die ich je erlebt habe.

Nicht Entertainer sondern Elstnertainer

Überhaupt ist Elstner ein ausgezeichneter Gastgeber. Wieder gilt: auf der Bühne wie auch in Wirklichkeit. Er kann gönnen und ist großzügig; Geiz ist ein Fremdwort für ihn. Als ich an meinem Geburtstag Pizza und Nudeln für die Redaktion bestellte, war es nicht ganz leicht, ihn zu überreden, die Einladung zu seinen geliebten Penne arrabiata für 7,50 Euro anzunehmen. Und wenn man dann zusammen mit ihm isst, kann er wunderbar Geschichten erzählen. Er ist ein brillanter Verkäufer und kann eine Kleinigkeit als absolutes Highlight präsentieren. Auch kennt er unzählige Geheimnisse von Prominenten, ist aber stets diskret dabei. Als großer Menschenkenner durchschaut er die Leute schnell. Vormachen kann man ihm nichts.

Elstner ist auch viel lockerer und lustiger als manch einer glaubt, der ihn ausschließlich aus den Medien kennt. Er hat einen etwas trockenen, manchmal sarkastischen Humor. Als er mal wegen der Quoten schlecht gelaunt war, meinte seine Frau zu ihm: „Mensch, nimm dich doch nicht so wichtig!“ Das hat er sich zu Herzen genommen, sagt er. Mehr Gelassenheit ist ein erklärtes Ziel von ihm im Alter.

„Ihr müsst wie Trüffelschweine sein“

Als seine wichtigste Eigenschaft bezeichnet er seine Neugierde. Wenn er eine Zeitung durchblättert, findet er auf Anhieb zehn Themen und Gäste, die sich für eine Talkshow eignen. „Ihr müsst wie Trüffelschweine sein“, sagte er zu uns Redakteuren, als wir für die Sendung keine guten Gäste fanden. Sich selbst sieht er auch als Journalist, der Fernsehen macht, und weniger als Entertainer.

Auch ohne Entertainer-Qualitäten ist er für mich der Kreativste und Verrückteste – im positiven Sinn – im deutschen Fernsehen, und im Kopf der Jüngste. Er will Unterhaltung ständig weiterentwickeln; etwas erfinden, was es noch nicht gibt. Dabei hat er die Methode, sich die Frage zu stellen: was fehlt im Fernsehen? So fragte er einst: warum wird im deutschen Fernsehen nicht gewettet? Oder: warum gibt es keine Gesprächsreihe mit Nobelpreisträgern? Zuvor hatte er im französischen Fernsehen eine Sendung mit dem Titel The Einsteins gesehen. Und weil ihm Tutti Frutti nicht gefiel, wollte er eine Sendung, die mal die Männer vorführt, und schuf Mann o Mann, das übrigens international noch erfolgreicher war als Wetten, dass..?.

Die Show zur Flasche

Sein Einfallsreichtum und seine Geschwindigkeit sind atemberaubend. Er erfindet auf Anhieb neue Sendungen und Spiele. Als er mich mal nach der Arbeit nach Hause fuhr, dachte er sich während der zehnminütigen Fahrt drei Formate rund um das Thema „Auto“ aus, weil er meinte, dass es keine wirklich gute Sendung dazu gäbe. Und wenn beim Essen eine Flasche Wein auf dem Tisch steht, überlegt er sich, was für eine Show man um diese Flasche herum machen könnte.

Elstner ist wagemutig, wie ein Spieler. Anstatt einen sicheren Posten in einem Sender einzunehmen, machte er sich als freier Produzent selbstständig. Etwas Neues auf den Markt zu bringen, bedeutet immer ein Risiko, finanziell und ideell. Und Flops gab es einige: von Elstner und die Detektive gab es nur eine Folge, und Flieg mit Air-TL wurde nach drei Ausgaben beendet. Mich haben seine Misserfolge immer mindestens so fasziniert wie seine Erfolge. Weil mich ihre Ansätze und Elemente begeistert haben. Deshalb wollte ich sie gegenüber Kritikern verteidigen. Bei Elstner und die Detektive unterhielt er sich mit einem Prominenten an einem geheimen Ort, und die Fernsehzuschauer mussten dieses Versteck erraten. Und Flieg mit Air-TL war die erste Reisespielshow aus einem fliegenden Flugzeug. Übrigens hat ihm die Presse nach der ersten Wetten, dass..? Sendung auch eine Totgeburt bescheinigt. Bei Thomas Gottschalk hieß es dann nach zwei Ausgaben: „Wir wollen Frank Elstner wieder haben“. Kritiker haben nicht immer Recht.

Sternzeichen: Stehaufmännchen

Am meisten aber hat mich beeindruckt, wie Elstner mit Niederlagen umgeht. Besonders bei Nase vorn war er immens viel Häme ausgesetzt. Während er in den achtziger Jahren durch Wetten, dass..? der beliebteste Showmaster Deutschlands war, wurde er mit Nase vorn zum Buhmann der Nation. In der Zeit des Internets wäre das ein Shitstorm gewesen. „Was ist bloß mit Frank Elstner los?“ fragte eine Zeitung scheinheilig nach der zweiten Ausgabe. Und was macht er? Er zieht sich zurück, berappelt sich, betritt mit neuem Schwung die Bühne und versucht, es besser zu machen. Klar, Sternzeichen Widder. Von Selbstmitleid hält er ohnehin nichts. Vor allem aber steht er zu der Show, weil er weiß: im Kern ist sie gut.

Und wenn eine Sendung tatsächlich abgesetzt wird, kann Elstner auch einen Haken darunter machen. „Wenn ein Maler eines seiner Bilder nicht verkaufen konnte,“ sagte er, „dann hat er das ja nicht unbedingt weniger gern.“ Diese Einstellung hat was, dachte ich mir: innere Größe. Von diesem würdevollen Scheitern schaute ich mir etwas ab. Ich übernahm, was er in Interviews gesagt hatte: „Wenn man alles versucht hat, gibt es kein wirkliches Versagen.“ In der Zeit von Nase vorn war ich Student und verlor dadurch sämtliche Prüfungsängste. Showbusiness als Lebenshilfe sozusagen.

Und nach jedem Misserfolg kam Elstner mit neuen Sendungen wieder. Besonders gefreut hat mich, dass er gesagt hat: Wenn ihm eine neue Fernsehsendung einfällt, bietet er die noch mit neunzig an. Genau das wünsche ich mir.

Allgemein, Fernsehen

Nase vorn: Die wertvollste Show

Nase-vorn-Lampe

Die Erwartungen hätten nicht höher sein können. Als „Show der neunziger Jahre“ wurde sie vom ZDF angekündigt, von einer „Revolution der Fernsehunterhaltung“ war die Rede, „noch besser als Wetten, dass..?“ hieß es im Vorfeld. Frank Elstners Nase vorn, die damals teuerste deutsche Fernsehsendung, sollte 1988 den Samstagabend wiederbeleben und neue Maßstäbe setzen. Die Neugierde bei Publikum und Presse war riesengroß. Dementsprechend hoch waren bei der Premiere auch die Einschaltquoten. Doch die Öffentlichkeit reagierte anders als gewünscht. Zu langweilig, zu kompliziert sei die Show. Kein gutes Haar wurde an ihr gelassen. „Nase voll!“ und „Nase ab!“ titelten die Zeitungen. Zwar beruhigte sich nach der dritten Ausgabe und einigen Änderungen die öffentliche Diskussion ein wenig, und Nase vorn und Elstner schienen im Aufwind. Dennoch blieb die Kritik und biss sich fest. Und von Sendung zu Sendung kamen auch die Zuschauer abhanden. Nach 13 Ausgaben schmiss Elstner schließlich das Handtuch. Immerhin war die Show über den gesamten Verlauf quotenmäßig die zweiterfolgreichste Sendung des ZDF nach Wetten, dass..?. Trotzdem gilt es als größter Flop von Sender und Elstner. Leider. Denn um es klar zu sagen: Nase vorn war meine absolute Lieblingssendung, und sie ist es immer noch. Ich halte sie für Frank Elstners Meisterstück; das Kreativste, was er je gemacht hat. Und das aus vielen Gründen.

Show mit Botschaft

Nase vorn wurde als die Show der Zukunft angekündigt, und das war sie auch im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie hatte die Zukunft zum Inhalt. In der Sendung wurden Menschen vorgestellt, die auf irgendeinem Gebiet führend waren. Das waren meist Erfinder und Problemlöser. Da gab es den Ingenieur, der den Bus der Zukunft konstruiert hatte; die Bewohner eines Altersheims, die ihren langweiligen Alltag mit einem eigenen, hausinternen Fernsehen bunter machten; den Jogger, der beim Laufen durch den Wald Müll einsammelte; den Polizisten, der Türkisch gelernt hatte und jetzt türkischen Kindern Märchen in ihrer Sprache vorlas; und schließlich den Erfinder eines Spielautomaten, der Plastikflaschen und Batterien spielend einfach entsorgte. Unvergessen auch die Zahnärzte, die mit originellen Methoden ihren Patienten die Angst nahmen. Im Behandlungsstuhl saß übrigens Norbert Blüm, der damalige Arbeits- und Sozialminister – und Feind aller Zahnärzte. Eine Sternstunde des deutschen Fernsehens!

Daneben präsentierten Werbeagenturen Spots, die Probleme und Themen originell behandelten. Da wurde für Hausmänner geworben, der Spruch „peinlich ist menschlich“ lustig umgesetzt oder der Baum des Jahres gekürt. Und in der Sendung kurz nach der Maueröffnung sang ein deutsch-deutscher Jugendchor „Wir sind grenzenlos“. Grenzenlos schien auch die Fantasie all dieser Menschen, die das Leben lebens- und liebenswerter machten.

So fand auf der Bühne eine Revue voller Ideen statt, die konstruktiv, kreativ und originell waren und die Menschen im Kleinen und Großen weiterbrachten. Die Gäste waren beispielgebend für die Zuschauer, ob jung oder alt, und damit wie geschaffen für eine generationenverbindende Show. Mit seinen Botschaften und seiner Philosophie wurde Nase vorn für mich zur wertvollsten Sendung im deutschen Fernsehen.

Nase-vorn-Vorspann mit Eurovisionshymne

Es wird gerubbelt!

Zu diesen Inhalten kamen viele weitere moderne und fortschrittliche Elemente. Die Sendung spielte mit neuen Techniken, mit denen wir alle leben. Die ersten Faxgeräte wurden vorgestellt. Auch Heimcomputer, die damals überall Einzug hielten, kamen spielerisch zum Einsatz. Dann das Bühnenbild: das Kandidatenpanel war beweglich und rotierte auf Luftkissen. Genauso wie die Bühnenwände, hinter denen sich weitere Attraktionen verbargen. Außerdem bekam jeder Saalzuschauer eine Lampe. Durch Ein- und Ausschalten konnte das Publikum über Kandidaten und Themen abstimmen. Das ergab stimmungsvolle Bilder, wie bei einem Rockkonzert.

Am aufsehenerregendsten aber waren die Rubbelkarten, die von der Post mit der Telefonrechnung an die Haushalte verschickt wurden. Damit konnten die Fernsehzuschauer während der Sendung von zu Hause aus aktiv mitspielen. Was für ein Einfall, diese lustige und spannende Spielart mit einer Show zu verbinden! Die Rubbelkarten sind für mich Vorreiter für das Mitspielen mit Handys, das heute bei Fernsehsendungen gang und gebe ist.

Vorreiter und Trendsetter

In der Show steckten so viele neue Ideen – man könnte leicht mehrere Sendungen daraus machen. Ohnehin waren unter den neuen Elementen viele, die man später in anderen Formaten wiederfand. Und zwar nicht nur die beweglichen Bühnenteile und die Lichter im Publikum, sondern auch die Problemlöser selbst: Die Unternehmensgründer in der Höhle der Löwen sind alle klassische Nase vorn -Kandidaten. Und Das Ding des Jahres läuft direkt ab wie Nase vorn: Erfinder, über die das Publikum abstimmt. Auch ein Casting gab es schon in Nase vorn. In der ersten Ausgabe fand ein Nachwuchswettbewerb für Fernsehansagerinnen statt, später einer für Schauspielerinnen.

Nase-vorn-Rubbelkarte

Stimmung: heiter-besinnlich

Aber warum setzte sich die Sendung nicht durch? Wichtig ist, dass nach Wetten, dass..? die Fallhöhe sehr groß war. Noch dazu, weil Nase vorn nicht nur als die Show der Zukunft angekündigt worden war, sondern auch als die Show der Superlative. Der geniale Showtitel und der wunderbare Vorspann mit den rennenden Nasenhörnchen versprachen zusätzlich Tempo und Spannung. Die damit verbundenen Erwartungen der Zuschauer wurden aber nicht erfüllt. Denn das Prinzip war eben nicht schneller, höher, weiter. Elstner hatte gesagt, er wolle „Menschen vorstellen, die etwas zu erzählen haben“, und er möchte, „dass in der Sendung gelächelt wird.“ So war die Stimmung in der Show eher heiter-besinnlich. Das empfanden viele Zuschauer als langweilig. Und wenn sich der Zuschauer langweilt, ist er schnell gnadenlos.

Dann war das Spektrum der Menschen, die die Nase vorn hatten, sehr breit, vielleicht zu breit. Die Sendung hatte in ihrer Fülle keine klare Ausrichtung und kein deutliches Profil. Dadurch blieb die Botschaft oft verschwommen.

Verkannt und nicht verrannt

Insgesamt kam die Show zu früh auf den Fernsehmarkt und war ihrer Zeit voraus. Die Öffentlichkeit hatte keine Wertschätzung für die Gedanken, die ihr zugrunde lagen. So gab es die Sendung nur zwei Jahre. Für mich hätte sie ewig laufen können. Denn durch ihren Inhalt und ihre Form wäre sie immer zeitgemäß und damit zeitlos gewesen. Und wenn ich jetzt an die Lichter im Publikum denke, an die vielen großen und kleinen Ideen und an die Rubbel-Musik, dann hat Nase vorn etwas Magisches. Es ist wie mit einer schönen Tasse, die einen kleinen Sprung hat: die liebt man oft am meisten.

Allgemein, Fernsehen, Kino

Wenn Dinosaurier auf Olympische Winterspiele treffen

Foto (c) Universal Pictures

Was passiert, wenn ein Snowboardfahrer auf der Piste einem Brachiosaurus begegnet? Und hat eine Abfahrtsläuferin eine Chance gegen einen Velociraptor? Mit solchen Fragen beschäftigt sich ein Werbespot, den Universal Pictures für den amerikanischen Sender NBC produziert hat und der zwei Welten miteinander verbindet: die Welt des neuen Jurassic-World-Films, der am 10. Juni in den Kinos startet, und die Welt der Olympischen Winterspiele. In dem zwei-minütigen Spot sieht man, wie die Goldmedaillengewinner Shaun White und Mikaela Shiffrin sowie Weltmeister Nathan Chen ihre persönliche Begegnung der besonderen Art mit Dinosaurier haben.

Die Jurassic-Park-Filme haben schon immer das Unmögliche möglich gemacht – auf der Leinwand wie auch im Marketing. Vom neuesten Film wurden sogar schon die ersten fünf Minuten im Internet veröffentlicht. Jetzt sorgt dieser Fernsehspot für Aufsehen. Er ist aus mehreren Gründen höchst gelungen. Die Idee der Verschmelzung der beiden Welten setzt er mit ästhetischen und atemberaubenden Aufnahmen um. Seine Szenerie passt perfekt zum neuen Film, in dem sich Dinosaurier in freier Wildbahn ausbreiten. Und er gibt einen eindrucksvollen Vorgeschmack auf die Dinosaurier des kommenden Filmspektakels. Hier der Spot:

Allgemein, Radio

Die Shitparade auf Radio Gong 96.3: mehr als ein Radiospiel

Gleich muss ich das Radio lauter drehen, denn um 7:40 Uhr kommt auf dem Münchener Sender Radio Gong 96.3 wieder die Shitparade. Hier wird gefragt: ist ein bestimmtes Lied ein Hit oder ist es Shit? Die Shitparade ist ein kleines Juwel in der Radiolandschaft und funktioniert so: jedes Mal wird ein Lied gespielt, bei dem die Meinungen weit auseinander gehen. Die einen finden es wunderbar, die anderen ganz schrecklich. Jetzt sind die Hörer gefragt: sie sollen bei Moderator Mike Thiel anrufen und ihm sagen: wollen sie den Song auch am nächsten Morgen hören oder nicht? Also: Hit oder Shit? Die Regeln sind einfach. Mit drei Stimmen für Hit kommt der Song wieder, mit drei Stimmen für Shit fliegt er raus, und ein neuer Titel muss sich dem Votum der Hörer stellen. Zur Wahl standen in der Vergangenheit Nummern wie: „Atemlos durch die Nacht“ von Helene Fischer, „Biste braun, kriegste Fraun“ von Mickie Krause oder „Schnappi, das kleine Krokodil“ von Schnappi.

Das läuft dann so ab:

Mike: Hier ist der Mike, wer ist live am Telefon?

Hörer: Hier ist der Paul aus Sendling!

Mike: Guten Morgen Paul! Sag mir: ist das ein Hit oder ist das Shit?

Hörer: Auf keinen Fall mehr spielen – ganz furchtbar! Absoluter Shit!

Mike: Ist gezählt, Paul! Null zu Eins für Shit. Und wer ist jetzt am Telefon?

Hörerin: Die Steffi aus Laim!

Mike: Steffi, wie gefällt dir dieser Song?

Hörerin: Ich liebe ihn total! Er ist der Hit! Unbedingt drin lassen!

Mike: Alles klar, Steffi aus Laim! Damit steht es Eins zu Eins. Spannend! Wer ist jetzt dran?

So geht es weiter, bis eine Seite drei Stimmen verbucht. Das ist so locker und lustig, so kurzweilig und erfrischend und macht so einen Spaß, dass ich regelrecht süchtig bin und keine Folge verpassen will.

Das liegt nicht nur am originellen und eingängigen Konzept, sondern auch am Moderator. Morningman Mike Thiel geht mit den Anrufern so respektvoll, wohlwollend und charmant um, ganz gleich, welchem Lager sie angehören, dass man am liebsten selber zum Telefon greifen möchte. Auch die Anrufer haben hörbar Freude daran und sind gut gelaunt. Man merkt ihnen an: der Spaß zählt.

Und ich behaupte: bei der Shitparade schwingt noch etwas anderes mit; ja, sie hat sogar eine tiefere Bedeutung! Sie lehrt Toleranz; zumindest gegenüber anderen Musikgeschmäckern. Wahre Toleranz fängt ja im Kleinen an.

In einer Zeit, in der sich viele ihr eigenes Musikprogramm per Handy zusammenstellen, und kaum mehr jemand Geduld hat, für drei Minuten ein Lied zu hören, das nicht hundertprozentig seinem Geschmack entspricht, ist so ein Radioelement überaus wohltuend und heilsam. Die Shitparade schafft, dass man Spaß auch an Musik hat, die einem nicht gefällt. Sie geht spielerisch damit um, dass die einen lieben, was die anderen ablehnen. Die Shitparade verbindet.

Außerdem rufen Hörer aller Altersgruppen an: Kinder, Jugendliche, Erwachsene. Ein generationenübergreifendes Programm, das sagen will: wir alle haben Freude am Radio und an Musik, und hören uns auch mal gemeinsam einen Song an, den nur die anderen mögen.

Und jeder von uns hat wohl das eine oder andere Lieblingslied, das ihm zunächst noch gar nicht so gefallen hat. In Musik muss man sich oft hineinhören, vor allem, wenn sie neu für einen ist. Also einfach mal über den eigenen Tellerrand hinaushören! Wer weiß, vielleicht entdeckt man eine neue Leidenschaft.

Das ist jedenfalls Radio, wie es besser nicht sein kann. Mein Votum ist eindeutig: die Shitparade ist der absolute Hit. Unbedingt morgen wieder spielen!

Foto (c) https://www.radiogong.de/: Morningman Mike Thiel

Die Shitparade von Montag bis Freitag um 7:40 Uhr auf Radio Gong 96.3, zu erreichen unter der Telefonnummer 089 / 38 38 38 38.

Radio Gong 96.3 auf Instagram: https://www.instagram.com/gong96.3/

Allgemein, Kino

West Side Story: Spielbergs Musical-Wunder

Foto (c) 20th Century Studios

Dieser Film vollbringt etliche Wunder, aber drei davon sind besonders außergewöhnlich. Erstens: die Kritiken. Sie klingen, als ob die Verfasser beim Schreiben noch innerlich getanzt und gesungen hätten. Das kommt bei Kritikern nicht oft vor. Ihre Begeisterung kennt aber wahrlich keine Grenzen: „Einer der besten Filme des Jahres“ jubelt das Magazin Slash Film. Und das ist nur eine Lobeshymnen von vielen: „Atemberaubend“ (Indie Wire), „Ein überschäumendes, modernes Märchen“ (Time), „Eine West Side Story für eine neue Generation“ (Vanity Fair), „Spielberg schenkt dem Musical-Klassiker ein wirklichkeitsnahes, mitreißendes Update“ (Variety), „Eine Liebesgeschichte, die so bedeutsam wie eh und je ist“ (USA Today) und schließlich: „Spielberg schafft das Unmögliche“ (Entertainment). Das Magazin Empire verleiht dem Werk gar die Höchstpunktzahl: fünf von fünf Sternen.

Neuauflage gelungen

Das zweite Wunder: Spielberg ist seine West Side Story in höchstem Maße gelungen, obwohl Neuauflagen problembehaftet sind. Denn neu verfilmt werden meist bewährte Stoffe, und hier hängt die Messlatte hoch. Viele Neuauflagen fallen bei Publikum und Presse durch, entweder weil sie tatsächlich schwächer als das Original sind, oder weil das Original mit ausschließlich guten Erinnerungen verbunden ist. Den prägenden Eindruck von „damals“ kann man nur schwer wiederholen oder gar übertreffen. Und Manches von früher wird auch verklärt. Auch die erste Verfilmung von West Side Story, die auf dem gleichnamigen Broadway-Musical von 1957 beruht, ist grandiose Vorlage und große Bürde zugleich. Ihre Bilanz: zehn Oscars, der erfolgreichste Film von 1961 und längst ein Klassiker.

Spielberg aber variiert diese Verfilmung leicht. Seine Fassung ist außerdem näher am Original-Musical, das er zusammen mit seinem Drehbuchautor Tony Kushner („Lincoln“) um moderne Themen ergänzt hat. Deswegen legt er Wert darauf, dass sein Film kein Remake des Film-Klassikers ist, sondern eine filmische Neuinterpretation des Broadway-Hits. In der Geschichte, die von Shakespeares „Romeo und Julia“ inspiriert ist, geht es um die schicksalhafte Liebe von Tony und Maria. Sie gehören zwei rivalisierenden Jugendgangs, den Jets und den Sharks, im New York der 1950er Jahre an. Besonders wichtig war Spielberg, alle Sharks – im Gegensatz zum Film von 1961 – mit puerto-ricanischen Schauspielern oder US-amerikanischen Schauspielern mit Wurzeln in Puerto Rico zu besetzen. Seine Figuren und ihre harten Lebensumstände sind wirklichkeitsnah. Die Geschichte um Fremdenfeindlichkeit und rassistische Vorurteile habe Bezüge zu unserer Zeit und sei bedeutsamer denn je, sagt Spielberg.

Spielberg kann Musical

Und schließlich drittens: die größte Überraschung des neuen Films ist laut dem Online-Magazin Slate, dass Spielberg ein Genre bravourös beherrscht, in dem er noch nie tätig war. Dabei wollte er schon immer einmal ein Musical inszenieren. West Side Story ist seit seiner Kindheit sein Lieblingsmusical. In die Musik von Leonard Bernstein habe er sich sofort verliebt, schwärmt er. Nun beweist er, dass er auch das kann, und liefert dabei ein Meisterwerk ab. Schon wieder einmal.

Der Film zeigt die ganze Kraft und Vielseitigkeit von Spielbergs Regiekunst. Die Bilder sind in satte, weiche Farben getaucht, die Tänzer wirbeln über die Leinwand, die Kamera folgt ihnen in zahllosen raffinierten Einstellungen. Mittendrin glänzen die sagenhaften Darsteller und Gesangskünstler, allen voran das bezaubernde Paar Tony (Ansel Elgort) und Maria (Rachel Zegler) – er kühn und leidenschaftlich, sie besonnen und liebevoll. Elgort singt mit einer Leichtigkeit und Zegler mit einer Anmut, wie es seinesgleichen sucht. Der Kritiker von The Guardian bekennt: „Ich habe mein Herz an dieses ergreifende, amerikanische Märchen von einer schicksalhaften Liebe verloren.“

Sie werden es nicht glauben

Also machen Sie sich auf etwas gefasst. Und vielleicht geht es Ihnen so, wie es die Time voraussagt: „Sie werden es nicht glauben, bis sie es sehen, und vielleicht selbst dann nicht.“

Jetzt entscheidet erstmal das Publikum an der Kinokasse. Dann stehen Preisverleihungen an, unter ihnen die Oscars. Die wundersame Erfolgsgeschichte von Spielbergs West Side Story hat gerade erst begonnen.

West Side Story läuft seit 9. Dezember 2021 in den deutschen Kinos.

Allgemein, Kino

Jurassic World: Ein neues Zeitalter – Die ersten 5 Minuten

Foto (c) Universal Pictures

Der „Universal“-Schriftzug verblasst, und zurück bleibt die Erdkugel – aber die Kontinente haben diesmal die Form eines Dinosaurierskeletts. So raffiniert und spektakulär beginnt der Film „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“, der am 9. Juni 2022 in die deutschen Kinos kommt. Universal Pictures hat die ersten fünf Minuten jetzt im Internet veröffentlicht. Dieser Prolog führt den Zuschauer in die Welt vor 65 Millionen Jahren, als die Dinosaurier die Erde beherrschten. Eine auf den ersten Blick ruhige Atmosphäre; wunderschön und Ehrfurcht gebietend zugleich. Eine Welt im Gleichgewicht. Dann ein Zeitsprung in die Gegenwart. Ein T-Rex stampft in ein Autokino und sorgt für Angst und Schrecken. Er wird vom Militär gejagt. Der Prolog zeigt: Dinosaurier und Mensch sind nicht dafür geschaffen, zur selben Zeit am selben Ort zu leben.

„Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ ist der dritte Film der Jurassic-World-Reihe und insgesamt der sechste Jurassic-Park-Film. In den Hauptrollen sind wieder Chris Pratt und Bryce Dallas Howard zu sehen. Aus den ersten Filmen kehren Sam Neill, Laura Dern und Jeff Goldblum zurück. Colin Trevorrow führt Regie, Steven Spielberg produziert. Der Film spielt vier Jahre nach dem vorhergehenden Teil, an dessen Ende die Dinosaurier in die Freiheit entlassen wurden. Das gab es in den höchst erfolgreichen Filmen noch nie: die Dinosaurier breiten sich über ganz Nordamerika aus. Die Reihe entwickelt sich also schlüssig und konsequent weiter.

Der nun veröffentlichte Prolog stimmt den Zuschauer wirkungsvoll auf den zu erwartenden Film ein. Was für eine außergewöhnliche Werbekampagne! Diese fünf Minuten sind atemberaubend, machen Lust auf mehr und steigern die Vorfreude der Fans ins Unermessliche. Das zeigen die ersten Reaktionen der User auf YouTube:

„Ich sage nur wow. So bombastisch, freue mich mega!“

„Ich finde es so viel geiler als einen normalen Trailer, weil vom Plot kaum was verraten wird. Das macht den Film nachher viel interessanter, wenn man die besten Szenen nicht schon aus einem Trailer kennt.“

„Pure Freude, könnte mir das den ganzen Tag ansehen.“

Und die Internetseite Movie Pilot schreibt: „Die ersten 5 Minuten sind schon gigantischer als die letzten beiden Filme.“ Hier der Clip:

Allgemein, Fernsehen, Kino, Streaming

Harry Potter: Der Zauber der Reunion

Foto (c) HBO Max

Magie! Hokuspokus! Es wird noch einmal gezaubert auf Hogwarts, der Schule, auf der Harry Potter zum berühmtesten Zauberer der Bücher- und Filmwelt wurde. Für eine Sendung des US-Streamingdienstes HBO Max treffen sich alle wichtigen Darsteller der acht Filme und blicken in Talkrunden auf die Dreharbeiten zurück. Anlass ist der 20. Jahrestag des Kinostarts des ersten Films „Harry Potter und der Stein der Weisen“ (2001).

Die Gästeliste von „Harry Potter 20th Anniversary: Return to Hogwarts“ ist hochkarätig besetzt und liest sich wie ein Who’s who aus dem Potter-Universum. Es feiern nicht nur Daniel Radcliffe (Harry Potter), Emma Watson (Hermine Granger) und Rupert Grint (Ron Weasley) höchstpersönlich. Mit dabei sind auch Helena Bonham Carter (Bellatrix Lestrange), Tom Felton (Draco Malfoy), Robbie Coltrane (Hagrid), Ralph Fiennes (Voldemort), Gary Oldman (Sirius Black), Bonnie Wright (Ginnie Weasley) und viele andere, wie der Trailer verrät.

Das nostalgische Special wird am ersten Januar 2022 in den USA zu sehen sein. Wann und wo die Reunion nach Deutschland kommt, ist noch nicht bekannt. Es sei aber eine internationale Veröffentlichung geplant, teilte HBO Max mit.

Die Fans können es jedenfalls kaum erwarten. Einer schrieb auf dem Instagram-Account von Emma Watson: „Ich werde in meinem Schlafzimmer sein, keinen Laut von mir geben und so tun, als sei ich nicht da – 01.01.22“. Über 17.000 anderen gefiel dieser Kommentar.

Die Verfilmungen der Kinderbuchreihe von Joanne K. Rowling waren insgesamt für 12 Oscars nominiert und haben weltweit über 7 Milliarden US-Dollar eingespielt. Sie gelten damit als eine der erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten.

Und warum verzaubert uns Harry Potter noch immer, auch 20 Jahre nach dem Kinostart und egal welches Alter man hat? Warum sind uns die Figuren in acht Filmen dermaßen ans Herz gewachsen? Weil Rowlings Geschichten komplexe Meisterwerke sind, weil die Filme den Büchern treu blieben und vor allem, weil es darin nur vordergründig um Zauberei geht. Im Kern geht es um viel mehr: um Freundschaft, Familiensinn, den Kampf für das Gute und – Liebe, in all ihren Ausprägungen. Freuen wir uns also auf die Rückkehr nach Hogwarts und auf das große Wiedersehen! Hier der Trailer von „Harry Potter 20th Anniversary: Return to Hogwarts“:

Kino

Große Gefühle und viel Aktualität in Spielbergs West Side Story

Foto (c) 20th Century Studios, Amblin Entertainment

„Die größte Liebesgeschichte aller Zeiten“ – Mit diesem Slogan wirbt 20th Century Studios für Steven Spielbergs neuen Musicalfilm West Side Story. In der von William Shakespeares „Romeo und Julia“ inspirierten Geschichte geht es um die Liebe von Maria und Tony, die zwei rivalisierenden Jugendgangs im New York der 1950er Jahre angehören. In den Hauptrollen sind Rachel Zegler und Ansel Elgort zu sehen. Es ist die zweite Verfilmung des gleichnamigen Musicals von Leonard Bernstein, Stephen Sondheim und Arthur Laurents.

Steven Spielberg, der schon immer ein Film-Musical inszenieren wollte, erfüllt sich damit einen Herzenswunsch. Er habe sich in die Musik des Original-Musicals von 1957 sofort verliebt, sagt er in einem Interview mit Vanity Fair. Die Geschichte um Fremdenfeindlichkeit und rassistische Vorurteile habe Bezüge zu unserer Zeit und sei bedeutsamer denn je, so Spielberg. Sein Film orientiert sich mehr an der Bühnenfassung, als es die Verfilmung von 1961 getan habe. Im Fokus stehen die harten Lebensumstände im New York der späten 1950er Jahre.

Der Trailer gibt einen Eindruck von der virtuosen Inszenierung Spielbergs. Selten war ein Trailer so kraftvoll, dramatisch und leidenschaftlich. Auch von der legendären Balkonszene mit Maria und Tony sind schon ein paar Bilder enthalten. Man darf gespannt sein, wie klangvoll die vielen berühmten Musiknummern „Maria“, „Tonight“, „Somewhere“ u.a. mit den Stimmen von Zegler, Elgort und der restlichen Besetzung sind. Den Zuschauer erwartet ein farbenprächtiges Spektakel mit bezaubernden Darstellern, mitreißenden Songs und umwerfenden Tanznummern.

Vieles deutet darauf hin, dass Spielberg ein Musical-Meisterwerk gelungen ist und dass man seine Version von Marias und Tonys Geschichte bald in einem Atemzug mit großen Liebesdramen wie „Vom Winde verweht“ und „Titanic“ nennen wird.

Der deutschsprachige Trailer:

Der Film sollte eigentlich 2020 in die Kinos kommen, aber wegen Corona wurde der Start um ein Jahr verschoben. West Side Story startet jetzt am 10. Dezember 2021 in den US-amerikanischen Kinos und einen Tag davor in Deutschland.

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Was für ’ne Show! – Das Wetten, dass..?-Comeback

Foto (c) ZDF

Vorfreude ist die schönste Freude. Das galt immer auch für Wetten, dass..?. Jeder war gespannt: Welche Stars kommen? Wie sind die Wetten? Und welche Überraschungen gibt es? Und jetzt beim Comeback? Ein verfeinertes Design beim Logo zeigt: das ZDF hat schon mal die Optik des Show-Klassikers aufpoliert. Dabei betonte Unterhaltungschef Oliver Heidemann gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de: „Diesmal machen wir eine ganz klassische Sendung, so wie sie sich die Zuschauerinnen und Zuschauer vorstellen, wenn man sie darauf ansprechen würde.“ Zwar schwinge die Nostalgie bei Wetten, dass..? immer mit, „weil diese Show das deutsche Bewusstsein von Fernsehen mitgeprägt hat.“ Aber „es wird keine Rückblicke und Best-Of-MAZen geben, weil wir das schon zweimal hatten – bei der letzten Sendung mit Thomas Gottschalk vor zehn Jahren und dann noch einmal Ende 2014, als Wetten, dass..? eingestellt wurde.“

Klassisch – das gilt auch für das Bühnenbild. Es ist zwar neu, „aber Sie werden es sofort wiedererkennen. Auch wenn die Couch am Ende mal beweglich war: Wetten, dass..? war immer dieses Triptychon – mit der Couch im Zentrum und dem Platz links und rechts für Showacts und Wetten“, so Heidemann. Das alles wird in einer vollen Halle stattfinden, unter Beachtung der aktuellen Corona-Regeln. Wetten, dass..? funktioniere nur mit Publikum, wie man es kennt, betonte schon Thomas Gottschalk im Vorfeld.

Das Comeback geschieht genau zum richtigen Zeitpunkt. Draußen ist es kalt und dunkel. Die Menschen, Corona-müde, sehnen sich nach Vertrautem und Angenehmem. Die Live-Show schaffte es immer, die aktuelle Stimmung der Zuschauer aufzunehmen und sie in etwas Positives umzuwandeln. Dem Fernseh-Samstagabend fehlt eine Show wie Wetten, dass..? schon lange. Das zeigen auch aktuelle Kommentare in den sozialen Medien: „Eine der besten Samstagabend-Sendungen ever!“. Oder: „Bitte, bitte weitermachen, dann wäre mancher Samstagabend gerettet.“ Stimmen wie: „Brauchen wir das wirklich?“ muss man dagegen suchen.

Woher kommt diese besondere Liebe? Wetten, dass..? hat immer bewiesen: eine Show kann voller Emotionen, spektakulär und verrückt sein, ohne sich Voyeurismus und Geschmacklosigkeiten hinzugeben. Im Gegensatz zu anderen Sendungen reagiert hier das Hallenpublikum begeistert, aber nicht hysterisch. Die Moderation war stets lustig-geistreich, aber nie wirklich zynisch. Eine Show voller positiver Energie. Das hindert sie nicht daran, auch mal Grenzen auszutesten.

Was steht am Samstag auf dem Programm? Ins Rennen um den Titel „Wettkönig“ gehen eine Gruppe Feuerwehrleute, ein Baggerprofi, eine Dachdeckermeisterin, ein Parson Russel Terrier, sowie ein Achtjähriger, der bei einer U-Bahnfahrt alles auf den Kopf stellen will. Tiere und Kinder als sichere Nummer – schon eine alte Rudi-Carrell-Regel. Außerdem dabei: die männliche Hälfte von Abba – Björn Ulvaeus und Benny Andersson -, Helene Fischer, Udo Lindenberg, Giovanni Zarella, Joko Winterscheidt, Klaas Heufer-Umlauf, Heino Ferch, Svenja Jung, das Ensemble vom Disney-Musical „Die Eiskönigin“. Die Bild-Zeitung will herausgefunden haben, dass als Überraschungsgäste Halle Berry und Frank Elstner kommen. Und das wird noch nicht alles sein.

Alles, was man planen kann, ist die Pflicht. Über die Kür entscheiden der Verlauf der Wetten, die Laune der Gäste und der Witz des Thomas Gottschalk. Wenn alle zuschauten, die ihn aufgefordert hätten, es wieder zu machen, sagte er der Hörzu, müsste die Quote stimmen. Wetten, dass..? verspricht, am Samstag der TV-Hit des Jahres zu werden. Das wird ’ne Show!

Allgemein

Die Verschwörung der Doppelnamen

Das Leben könnte so einfach sein. Zumindest in der Welt der Namen. Paul Huber, Anna Müller, Vorname und Nachname. Alles kein Problem. Einmal ausgesprochen, und jeder weiß, wie man es schreibt. Aber warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?

Es geht um die Doppelnamen. Sie machen uns das Leben schwer. Viele sind kaum zu merken. Bei vielen weiß man nicht, wie man sie schreibt. Beobachter sprechen von Besorgnis erregenden Entwicklungen. Erstens scheinen Doppelnamen immer länger zu werden. Zweitens scheinen die Doppelnamen von Prominenten besonders verzwickt zu sein. Das ist fatal, denn prominente Namen sollten sich von vielen Menschen möglichst leicht gemerkt werden können.

Doris Schröder-Köpf geht ja noch. Silvana Koch-Mehrin ist schon mittelschwierig. Aber Herta Däubler-Gmelin, Heidemarie Wieczorek-Zeul und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger muten einem zweifellos einiges zu. Dabei wäre der Mädchenname oft schon kompliziert genug. Und Annegret Kramp-Karrenbauer, der moderne Klassiker unter den Doppelnamen, ist für Politiker, Journalisten und Bevölkerung weltweit ein Zungenbrecher. Oder ist er gar Kunst und Poesie? So wie bei der SPD-Politikerin Sigrid Skarpelis-Sperk, auch als „Triple S“ bekannt.

Nicht nur die Politik ist von diesem Phänomen durchdrungen. Die komplizierten Doppelnamen haben längst auch Sport und Boulevard erfasst. Die frühere Rennrodlerin Silke Kraushaar-Pielach und die Moderatorin Collien Ulmen-Fernandez sind nur zwei Beispiele unter vielen.

Ein schwieriger Doppelname führt eindeutig zu Problemen. Wie oft muss wohl jemand bei Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt am Telefon nachfragen? Meyer mit „a-i“? Burckhardt mit „c-k“ oder mit einfachem „k“. Und am Ende mit „d-t“ oder nur mit „d“?

Ist das alles in Wirklichkeit völlig harmlos – oder steckt dahinter ein System und gar eine böse Absicht? Eine Verschwörung ungeahnten Ausmaßes? Eine, die anderen Verschwörungen längst den Rang abgelaufen hat? Die frühere stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer, die Schauspielerin Jenny Elvers-Elbertzhagen, der ehemalige DFB-Präsident Gerhard Meyer-Vorfelder – sie könnten alle unter einer Decke stecken.

Und wer zieht die Fäden im Hintergrund? Vielleicht der berühmte Sportarzt, der sogar einen Doppelvornamen hat: Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Oder die Biathletin Simone Greiner-Petter-Mumm, die uns gleich einen Dreifachnamen antut. Nicht auszudenken, wenn die beiden heiraten würden.

Fragen über Fragen. Antworten und Trost können wir uns von Pastorin Oda-Gebbine Holze-Stäblein erhoffen, die oft das „Wort zum Sonntag“ gelesen hat. Allerdings ergeben die Buchstaben ihres Namens in anderer Reihenfolge angeblich ein Geheimwort. Rätseln Sie mal…

Allgemein, Kino

Indiana Jones und die Jagd nach den ersten Bildern

Der aktuelle Eintrag bei Indiana Jones 5 auf der Internetseite der internationalen Filmdatenbank Imdb lautet: „filming“. Die Dreharbeiten zum neuesten Abenteuer des legendären Archäologen haben also begonnen. Und schon tauchen die ersten Fotos von den Drehorten auf. Das sind aber keine offiziellen Fotos, sondern Schnappschüsse von den Sets in Großbritannien.

Daily Mail veröffentlichte Bilder, die in der Ortschaft Grasmont in North Yorkshire aufgenommen wurden, wo bereits Mission Impossible 7 mit Tom Cruise gedreht wurde. Zu sehen ist ein Stuntman auf einem Motorrad in einem Moor mitten in der Nacht. Der Stuntman trägt eine Maske mit dem Gesicht eines jüngeren Harrison Ford. Die Bilder heizen die Spekulationen an, dass es sich möglicherweise um eine Rückblickszene handelt. Dafür spricht auch die Dampflokomotive mit Hakenkreuz aus dem Zweiten Weltkrieg, die ebenfalls fotografiert wurde. Die Haupthandlung soll dagegen in den 1960er Jahren spielen. Es gibt das Gerücht, dass es um den Wettlauf ins All zwischen Amerikanern und Russen geht.

Hier geht es zu dem Artikel mit den Bildern der Daily Mail

Harrison Ford selbst wurde auch schon abgelichtet, und zwar bei den britischen Pinewood-Studios. Ford trägt sein bekanntes Indiana-Jones-Kostüm. Bei ihm stehen die Produzenten Kathleen Kennedy und Frank Marshall.

Hier geht es zu Comingsoon.net, das ein paar der Bilder gepostet hat

Das noch titellose fünfte Abenteuer von Indiana Jones soll am 28. Juli 2022 in die Kinos kommen.

Allgemein, Fernsehen

Politiker-Statements: Nach der Wahl ist vor der Wahl

Wer ist für das Ergebnis einer Landtagswahl verantwortlich? Bei dieser Frage greifen Politiker in Interviews leicht zu stereotypen Antworten, wobei alles eine Frage des Standpunkts ist. Es kommt darauf an, ob jemand Gewinner oder Verlierer der Wahl ist. Die Gewinnerparteien auf Landesebene sagen gern, ihr eigener Wahlkampf sei entscheidend gewesen. Die Verlierer dagegen machen oft, wenn auch unterschwellig, die Bundespartei verantwortlich.

Auch bei der Frage, ob eine Landtagswahl Signalwirkung für die Bundestagswahl hat, fallen Politker-Antworten immer sehr ähnlich aus. Die Gewinner empfinden ihren Sieg als Rückenwind für die Bundestagswahl, während die Verlierer das Ergebnis nicht ganz so ernst nehmen und behaupten, Land und Bund hätten jeweils ihre eigenen Themen.

Doch Vorsicht: die Zuschauer besitzen mehr Menschenkenntnis und Gespür für Zusammenhänge als manchem Politiker lieb ist. Und eine fadenscheinige Erklärung wird schnell durchschaut. Warum nicht klar Verantwortung übernehmen und Erfolge gönnen – auch innerhalb der eigenen Partei? Dem Vertrauen in die eigene Person und in die Politik täte es gut.