Archiv der Kategorie: Allgemein

Indiana Jones und die Jagd nach den ersten Bildern

Auf der Internetseite der internationalen Filmdatenbank Imdb steht bei Indiana Jones 5 seit neuestem „filming“. Die Dreharbeiten zum neuesten Abenteuer des legendären Archäologen haben also begonnen. Und schon tauchen die ersten Fotos von den Drehorten auf. Das sind aber keine offiziellen Fotos, sondern Schnappschüsse von den Sets in Großbritannien.

Daily Mail veröffentlichte Bilder, die in der Ortschaft Grasmont in North Yorkshire aufgenommen wurden, wo bereits Mission Impossible 7 mit Tom Cruise gedreht wurde. Zu sehen ist ein Stuntman auf einem Motorrad in einem Moor mitten in der Nacht. Der Stuntman trägt eine Maske mit dem Gesicht eines jüngeren Harrison Ford. Die Bilder heizen die Spekulationen an, dass es sich möglicherweise um eine Rückblickszene handelt. Dafür spricht auch die Dampflokomotive mit Hakenkreuz aus dem Zweiten Weltkrieg, die ebenfalls fotografiert wurde. Die Haupthandlung soll dagegen in den 1960er Jahren spielen. Es gibt das Gerücht, dass es um den Wettlauf ins All zwischen Amerikanern und Russen geht.

Hier geht es zu dem Artikel mit den Bildern der Daily Mail

Harrison Ford selbst wurde auch schon abgelichtet, und zwar bei den britischen Pinewood-Studios. Ford trägt sein bekanntes Indiana-Jones-Kostüm. Bei ihm stehen die Produzenten Kathleen Kennedy und Frank Marshall.

Hier geht es zu Comingsoon.net, das ein paar der Bilder gepostet hat

Das noch titellose fünfte Abenteuer von Indiana Jones soll am 28. Juli 2022 in die Kinos kommen.

Politiker-Statements: Nach der Wahl ist vor der Wahl

Wer ist für das Ergebnis einer Landtagswahl verantwortlich? Bei dieser Frage greifen Politiker in Interviews leicht zu stereotypen Antworten, wobei alles eine Frage des Standpunkts ist. Es kommt darauf an, ob jemand Gewinner oder Verlierer der Wahl ist. Die Gewinnerparteien auf Landesebene sagen gern, ihr eigener Wahlkampf sei entscheidend gewesen. Die Verlierer dagegen machen oft, wenn auch unterschwellig, die Bundespartei verantwortlich.

Auch bei der Frage, ob eine Landtagswahl Signalwirkung für die Bundestagswahl hat, fallen Politker-Antworten immer sehr ähnlich aus. Die Gewinner empfinden ihren Sieg als Rückenwind für die Bundestagswahl, während die Verlierer das Ergebnis nicht ganz so ernst nehmen und behaupten, Land und Bund hätten jeweils ihre eigenen Themen.

Doch Vorsicht: die Zuschauer besitzen mehr Menschenkenntnis und Gespür für Zusammenhänge als manchem Politiker lieb ist. Und eine fadenscheinige Erklärung wird schnell durchschaut. Warum nicht klar Verantwortung übernehmen und Erfolge gönnen – auch innerhalb der eigenen Partei? Dem Vertrauen in die eigene Person und in die Politik täte es gut.

TV-Nachrichten: Die Kunst des stilvollen Abschieds

Immer elegant, immer charmant, und in ihrer Abschiedssendung ganz besonders stilvoll: Petra Gerster hat ihre letzte Heute-Sendung präsentiert und sich von ihren Zuschauern verabschiedet. „Das war’s für mich“, sagte die 66-jährige Journalistin vor laufender Kamera. „Fast 23 Jahre lang durfte ich Sie an dieser Stelle mit den Nachrichten des Tages versorgen.“ Sie dankte den Zuschauern für ihr Vertrauen und schloss mit einem Zitat des ehemaligen Frankfurter Fußballtrainers Dragoslav Stepanovic: „Lebbe geht weider!“ Allein im Zweiten schalteten 4,59 Millionen Menschen ein, bei 3Sat waren es gut 380.000. Die Quote lag insgesamt bei 20,7 Prozent. Hier die Minuten von Gersters Verabschiedung in der Heute-Sendung:

Aber warum berühren uns Abschiedsworte von Nachrichten-Präsentatoren so sehr? Weil die persönliche Ansprache im strengen Ablauf einer Nachrichtensendung angenehm aus dem Rahmen fällt. Weil ein paar freundliche Worte in der Flut der überwiegend schlechten Meldungen wohltuend sind. Weil Dankesworte den sonst immer beherrschten Nachrichten-Präsentator menschlicher werden lassen. Und weil vertraute Nachrichten-Präsentatoren gern gesehene Gäste in unseren Wohnzimmern sind. Wir empfinden Dankbarkeit für die Informationsvermittlung, die Verlässlichkeit und die Glaubwürdigkeit über all die Jahre, und jetzt wird der Dank einmal an die Zuschauer zurückgegeben.

Jeder hat dabei seine eigene Art, sich zu verabschieden. Jan Hofer bindet sich die Krawatte ab, Tom Buhrow zitiert Theodor Fontane, und Ulrich Wickert wünscht noch einmal „eine geruhsame Nacht“. Hier die beeindruckensten Abschiedsworte von deutschen Nachrichten-Präsentatoren:

Jan Hofer:

Thomas Roth:

Tom Buhrow:

Ulrich Wickert:

Dagmar Berghoff:

Karl-Heinz Köpcke:

Eurovision Song Contest: Wussten Sie, dass..?

Das aktuelle Logo des ESC stammt von Cornelis Jacobs und seinem Team von Cityzen Agency und wird seit 2004 – und seit 2015 leicht verändert – verwendet. Quelle: EBU

Europas größte Musikshow steht bevor. Zum 65. Mal wird von Dienstag bis Samstag der Eurovision Song Contest ausgetragen, diesmal in Rotterdam, nachdem 2019 Duncan Laurence mit dem Lied „Arcade“ für die Niederlande gewann, und 2020 wegen Corona kein ESC stattfand. Für Deutschland tritt in diesem Jahr Jendrik Sigwart mit „I don’t feel hate“ an. Jendrik hat das Lied selber geschrieben und produziert. Es beinhaltet drei Zeilen auf Deutsch und ist damit seit 2007 der erste deutsche Beitrag, der Deutsch enthält. Hier noch mehr Wissenswertes rund um den Eurovision Song Contest (ESC):

  • Der ESC findet seit 1956 statt und wird von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) im Rahmen der Eurovision veranstaltet.
  • In Deutschland hieß der Wettbewerb bis 2001 Grand Prix Eurovision de la Chanson. Seit 1992 lautet die offizielle Bezeichnung Eurovision Song Contest.
  • Der ESC ist ein Musikwettbewerb für Komponisten, Textdichter und Songwriter.
  • Die Trophäe wird zwar dem Interpreten übergeben, geht dann aber in den Besitz des Songschreibers über. Dem Interpreten bleibt der gesteigerte Bekanntheitsgrad durch den Sieg.
  • Jedes Lied muss live gesungen werden, ausgenommen des Begleitgesangs.
  • Von 1966 bis 1972 und von 1977 bis 1998 musste jeder Interpret in der jeweiligen Landessprache singen. Seit 1999 ist die Sprache, in der gesungen wird, wieder freigestellt.
  • Es muss sich um einen Originallied handeln; es darf also keine Coverversion eines älteren Songs sein.
  • Die Lieder dürfen frühestens am 1. September des Vorjahres veröffentlicht werden.
  • Die Interpreten müssen mindestens 16 Jahre alt sein.
  • Es dürfen höchstens sechs Personen auf der Bühne mitwirken.
  • Beim Auftritt dürfen keine Tiere mitwirken.
  • Lied oder Auftritt dürfen keine politische Botschaft enthalten oder dem Image des Wettbewerbs schaden.
  • Irland hat mit sieben Siegen am häufigsten gewonnen, gefolgt von Schweden mit sechs Siegen. Je fünfmal haben Frankreich, Luxemburg, Großbritannien (UK) und Niederlande den ersten Platz gemacht.
  • Deutschland hat zwei Mal gewonnen: 1982 mit „Ein bisschen Frieden“ gesungen von Nicole und 2010 mit „Satellite“ von Lena.
  • Mit 63 Teilnahmen ist Deutschland das Land, das am häufigsten beim ESC mitmachte.
  • Die erfolgreichste Sprache beim Wettbewerb ist Englisch mit 31 Siegesliedern, gefolgt von Französisch mit 14 Siegesliedern. In Hebräisch und Niederländisch waren je drei erstplatzierte Songs getextet.
  • Der erfolgreichste Teilnehmer kommt aus Irland. Johnny Logan gewann zweimal als Sänger (1980 mit „What’s another year“ und 1987 mit „Hold me now“) und einmal als Komponist (1992: „Why me“).
  • Der ESC machte einige Interpreten, die vorher noch weitgehend unbekannt waren, zu internationalen Stars. Das gilt besonders für die schwedische Popgruppe ABBA, die 1974 mit „Waterloo“ gewann. Die franko-kanadische Sängerin Céline Dion wurde durch ihren Sieg für die Schweiz 1988 mit „Ne partez pas sans moi“ europaweit bekannt. Zu Weltruhm durch den ESC gelangte die irische Folkloregruppe Riverdance. Sie trat 1994 als Pausenfüller auf.

Indiana Jones und die Doku auf Arte

Indiana Jones Logo (c) Lucasfilm Ltd.

Diese Doku ist wie eine Geburtstagsfeier und Schatzsuche in einem. 40 Jahre nach dem ersten Indiana-Jones-Film geht Arte dem popkulturellen Phänomen des legendären Archäologen mit Peitsche und Hut auf den Grund. Die sehenswerte Dokumentation „Indiana Jones – Eine Saga erobert die Welt“ bietet umfangreiches Archivmaterial, lässt die Macher George Lucas, Steven Spielberg und Harrison Ford über ihre Erfahrungen erzählen und zeigt, wie es ihnen gelang, das Genre Abenteuerfilm zu revolutionieren.

„Indiana Jones – Eine Saga erobert die Welt“ am Freitag 14.5. um 22.55 Uhr auf Arte und bis zum 13.7.2021 hier:

Indiana Jones und die Enthüllungen zum fünften Film

Indiana Jones Logo (c) Lucasfilm Ltd.

Wonach wird er dieses Mal suchen? Wer sind seine Gegner und wer seine Verbündeten? Und wer spielt mit im neuen Abenteuer des legendären Archäologen? Das lang ersehnte und immer wieder verschobene Projekt „Indiana Jones 5“ nimmt langsam aber sicher Gestalt an und ist vielversprechend. Bekannt ist bisher, dass Mads Mikkelsen („Casino Royale“) eine tragende Rolle übernimmt. Er las bereits das Drehbuch und ist ganz begeistert. „Es hatte alles, was ich mir gewünscht hatte. Einfach großartig.“ schwärmt der dänische Schauspieler. Außerdem auf der Besetzungsliste: Phoebe Waller-Bridge („Fleabag“) und Thomas Kretschmann („Ballon“). Harrison Ford spielt den Archäologen mit Peitsche und Hut noch einmal. John Williams komponiert wieder die Musik. Das Drehbuch schreibt Jonathan Kasdan, der David Koepp ersetzt. Die Inszenierung übernimmt James Mangold („Logan“), nachdem Steven Spielberg den Regiestuhl abgegeben hat und jetzt nur noch als ausführender Produzent tätig ist. Spielberg begründete seine Entscheidung damit, er wolle „Platz machen für eine neue Generation, die ihre Perspektive der Geschichte einbringen soll“.

Der noch titellose fünfte Teil der Indiana-Jones-Filmreihe soll ab Sommer 2021 gedreht werden und am 28. Juli 2022 in den deutschen und am darauffolgenden Tag in den US-amerikanischen Kinos starten.

Tod auf dem Nil: Die neuen Morde

Ein Verbrechen, und alle Anwesenden verdächtig – das ist Agatha Christie! Und in ihrem Kriminalroman „Tod auf dem Nil“ geht es besonders raffiniert zu. Hier wird die Millionenerbin Linnet Ridgeway auf ihrer Hochzeitsreise ermordet. Jeder der Mitreisenden hatte ein Motiv. Die Geschichte wurde bereits 1978 glanzvoll verfilmt. Jetzt steht eine Wiederverfilmung an. Nach einigen Verschiebungen soll sie im Februar 2022 in die Kinos kommen. Kenneth Branagh übernimmt die Rolle des belgischen Meisterdetektivs Hercule Poirot und führt Regie. Aber kann eine Wiederverfilmung dem gelungenen Klassiker noch etwas hinzusetzen? Sie kann, wie schon die Neuinszenierung von „Mord im Orient-Express“ bewies, die über einen eigenen Charme und Reiz verfügt. Auch dann, wenn man die Auflösung schon kennt. Allein der Trailer ist schon vielversprechend:

Zum Vergleich: der englischsprachige Trailer von „Tod auf dem Nil“ aus dem Jahr 1978. Arte zeigt den Klassiker am Sonntag, 2. Mai, um 20.15 Uhr.

Oscar: Wussten Sie, dass..?

Wussten Sie, dass Walt Disney die Person ist, die bisher am meisten Oscars gewonnen hat? Amüsante Fun Facts rund um den berühmtesten Filmpreis der Welt:

  • Sein offizieller Name ist Academy Award of Merit (engl. für „Verdienstpreis der Akademie“), kurz Academy Award. Er wird jedes Jahr von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) für die besten Filme des Vorjahres verliehen.
  • Woher der Spitzname „Oscar“ stammt, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Es heißt, die ehemalige Vorstandssekretärin und spätere Leiterin der Academy, Margaret Herrick, habe beim Anblick der Statue gesagt: „Der sieht ja aus wie mein Onkel Oscar!“. In den Annalen der Academy steht sie als offizielle Namensgeberin.
  • Die Filme mit den meisten Oscars sind Ben Hur, Titanic und Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs. Sie gewannen jeweils elf Trophäen.
  • Bei den Darstellerinnen wurde Katharine Hephurn (1907-2003) am häufigsten ausgezeichnet. Sie bekam den Oscar vier Mal verliehen. Meryl Streep kann die meisten Darsteller-Nominierungen (21) auf sich vereinen. Bei den Männern gewannen Jack Nicholson, Daniel Day-Lewis und Walter Brennan (1894-1974) je drei Academy Awards.
  • Die Person, die überhaupt am meisten Oscars erhielt, ist Walt Disney. Er bekam die Trophäe 26 Mal überreicht, inklusive vier Ehren-Oscars.
  • Als größte Verlierer unter den Filmen gelten Am Wendepunkt und Die Farbe Lila. Sie waren jeweils elf Mal nominiert, ohne einen einzigen Preis zu gewinnen.
  • Der bisher häufigste Oscar-Moderator ist der Entertainer Bob Hope. Er war 17 Mal Gastgeber. Die einzigen weiblichen Moderatorinnen, die allein durch die glamouröse Show führten, sind Whoopi Goldberg (vier Mal) und Ellen DeGeneres (zwei Mal).
  • Die fünf wichtigsten Kategorien – Bester Film, Beste Regie, Bester Schauspieler, Beste Schauspielerin und Bestes Drehbuch – werden auch „Best Five“ genannt. Nur drei Filmen gelang es bisher, sie zu gewinnen: Es geschah in einer Nacht, Einer flog über das Kuckucksnest und Das Schweigen der Lämmer.
  • Die Schauspielerin Greer Garson hielt 1942 eine fast siebenminütige Dankesrede. Danach wurde die Zeitbegrenzung eingeführt.
  • Die Oscar-Gewinner müssen sich seit 1950 verpflichten, dass weder sie noch ihre Erben die Statue verkaufen, ohne sie vorher der Academy für einen US-Dollar anzubieten. Weigert sich ein Gewinner, behält die Academy den Preis.

Pro7 überträgt die Oscar-Verleihung 2021 in der Nacht von Sonntag auf Montag live ab 2 Uhr, Wiederholung um 4.55 Uhr.

Chillig oder cringe? Moderatoren und Jugendsprache

Hey liebe Radio- und Fernsehmoderatoren, und zwar alle, die Ihr auf jung macht! Es ist wirklich mega, dass Ihr Jugendsprache quatscht, um an junge Hörer und Zuschauer zu kommen. Aber richtig nice ist das nur, wenn Ihr auch selber noch jung seid. 

Klaro, Jugendsprache ist cool, witzig und kreativ. Unlügbar. Aber wenn Ihr schon jenseits der 40 seid, dann wirkt das aufgesetzt und ist cringe, also voll peinlich und zum Fremdschämen. Ich bin selber Anfang 50 und traue mich nur, hier so abgespaced zu schreiben, damit ich es auf die Spitze treibe, und Ihr es checkt. Ein oder zwei cremige Ausdrücke sind ja okay, aber manche Moderatoren wollen so stylisch rüberkommen, dass sie es echt übertreiben. Das klingt zum Beispiel im Radio dann so: „Hey Kids, keinen Bock auf Stress mit eurer Family? Wir haben hier eine richtig fette Playlist zum Abdancen. Und der erste chillige Song, der zappt sich gleich sowas von rein ins Ohr…“ 

Sowas ist eindeutig too much. Und gar nicht hammer. Also liebe Moderatoren und Homies: Ihr wollt hustlen, und ich liebe Jugendsprache, bin richtig geflasht von ihr. Aber sie gehört den jungen Leuten. Und nicht denen, die sich anbiedern wollen. Ihr wollt doch keinen Beef, oder? Also labert, wie es Eurem Alter entspricht. Das wär bombe. Dann seid Ihr Ehrenmänner und -frauen, auch für die jungen Hörer und Zuschauer. Und ich bin fly. Alles easy! Oder sagt man das schon gar nicht mehr..?

Erfinder, Menschenkenner, Stehaufmännchen – Frank Elstner aus der Nähe

Foto (c) Zoo Agency GmbH http://www.zooagency.de

In der Schule war er der kleine Junge mit dem Glasauge und wurde oft übergangen oder gehänselt. Aber wenn er vor der Klasse ein Gedicht aufsagte, dann hörten ihm plötzlich alle zu. Gehör muss sich Frank Elstner jetzt nicht mehr verschaffen. Auch ich hörte ihm gut zu, als ich mich das erste Mal mit ihm unterhielt. Das war 1990. Da saß ich im Publikum der von ihm moderierten ZDF-Sendung Wir stellen uns und sprach ihn hinterher an, weil ich einen Rat wollte, an wen ich eigene Showkonzepte schicken sollte. Tipps gab er mir gleich einige. Und dass er großes Interesse am Nachwuchs hat, erfuhr ich Jahre später als Redakteur bei ihm in Baden-Baden.

„Der andere könnte Recht haben“

Frank Elstner mag Menschen. Er interessiert sich für sie und hört ihnen zu. Deshalb sind seine Gespräche auch so gut. Das ist so in seinen Sendungen, genauso wie im wirklichen Leben. Auch da schätzt er die Personen um ihn herum. Er ist zum Beispiel sehr darauf bedacht, sich um jeden einzelnen Mitarbeiter zu kümmern. Vor einer Sendung gibt er jedem Tontechniker und Kabelträger die Hand. An einem Montag kam er in die Redaktion von Menschen der Woche, versammelte alle Mitarbeiter und sagte: „Leute, ich habe am Samstag fürchterlich schlecht moderiert.“ Gemeinsam haben wir dann die Sendung angeschaut und immer das Band angehalten, wenn ihm etwas nicht gefiel. Er wollte von jedem wissen, was man besser hätte machen können. Ein Lebensmotto für ihn ist der Satz des Philosophen Hans-Georg Gadamer: „Der andere könnte Recht haben.“ Das kann für ihn der Unterhaltungschef genauso wie der Praktikant oder seine Ehefrau sein. Bei der Sitzung holte er auf diese Weise die Mitarbeiter auf seine Seite. Das war die eindrucksvollste und konstruktivste Redaktionssitzung, die ich je erlebt habe.

Der Elstnertainer

Überhaupt ist Elstner ein ausgezeichneter Gastgeber. Wieder gilt: auf der Bühne wie auch in Wirklichkeit. Er kann gönnen und ist großzügig; Geiz ist ein Fremdwort für ihn. Als ich an meinem Geburtstag Pizza und Nudeln für die Redaktion bestellte, war es nicht ganz leicht, ihn zu überreden, die Einladung zu seinen geliebten Penne arrabiata für 7,50 Euro anzunehmen. Und wenn man dann zusammen mit ihm isst, kann er wunderbar Geschichten erzählen. Er ist ein brillanter Verkäufer und kann eine Kleinigkeit als absolutes Highlight präsentieren. Auch kennt er unzählige Geheimnisse von Prominenten, ist aber stets diskret dabei. Als großer Menschenkenner durchschaut er die Leute schnell. Vormachen kann man ihm nichts.

Elstner ist auch viel lockerer und lustiger als manch einer glaubt, der ihn ausschließlich aus den Medien kennt. Er hat einen etwas trockenen, manchmal sarkastischen Humor. Als er mal wegen der Quoten schlecht gelaunt war, meinte seine Frau zu ihm: „Mensch, nimm dich doch nicht so wichtig!“ Das hat er sich zu Herzen genommen, sagt er. Mehr Gelassenheit ist ein erklärtes Ziel von ihm im Alter.

„Ihr müsst wie Trüffelschweine sein“

Als seine wichtigste Eigenschaft bezeichnet er seine Neugierde. Wenn er eine Zeitung durchblättert, findet er auf Anhieb zehn Themen und Gäste, die sich für eine Talkshow eignen. „Ihr müsst wie Trüffelschweine sein“, sagte er zu uns Redakteuren, als wir für die Sendung keine guten Gäste fanden. Sich selbst sieht er auch als Journalist, der Fernsehen macht, und weniger als Entertainer.

Auch ohne Entertainer-Qualitäten ist er für mich der Kreativste und Verrückteste – im positiven Sinn – im deutschen Fernsehen, und im Kopf der Jüngste. Er will Unterhaltung ständig weiterentwickeln; etwas erfinden, was es noch nicht gibt. Dabei hat er die Methode, sich die Frage zu stellen: was fehlt im Fernsehen? So fragte er einst: warum wird im deutschen Fernsehen nicht gewettet? Oder: warum gibt es keine Gesprächsreihe mit Nobelpreisträgern? Zuvor hatte er im französischen Fernsehen eine Sendung mit dem Titel The Einsteins gesehen. Und weil ihm Tutti Frutti nicht gefiel, wollte er eine Sendung, die mal die Männer vorführt, und schuf Mann o Mann, das übrigens international noch erfolgreicher war als Wetten, dass..?.

Die Show zur Flasche

Sein Einfallsreichtum und seine Geschwindigkeit sind atemberaubend. Er erfindet auf Anhieb neue Sendungen und Spiele. Als er mich mal nach der Arbeit nach Hause fuhr, dachte er sich während der zehnminütigen Fahrt drei Formate rund um das Thema „Auto“ aus, weil er meinte, dass es keine wirklich gute Sendung dazu gäbe. Und wenn beim Essen eine Flasche Wein auf dem Tisch steht, überlegt er sich, was für eine Show man um diese Flasche herum machen könnte.

Elstner ist wagemutig, wie ein Spieler. Anstatt einen sicheren Posten in einem Sender einzunehmen, machte er sich als freier Produzent selbstständig. Etwas Neues auf den Markt zu bringen, bedeutet immer ein Risiko, finanziell und ideell. Und Flops gab es einige: von Elstner und die Detektive gab es nur eine Folge, und Flieg mit Air-TL wurde nach drei Ausgaben beendet. Mich haben seine Misserfolge immer mindestens so fasziniert wie seine Erfolge. Weil mich ihre Ansätze und Elemente begeistert haben. Deshalb wollte ich sie gegenüber Kritikern verteidigen. Bei Elstner und die Detektive unterhielt er sich mit einem Prominenten an einem geheimen Ort, und die Fernsehzuschauer mussten dieses Versteck erraten. Und Flieg mit Air-TL war die erste Reisespielshow aus einem fliegenden Flugzeug. Übrigens hat ihm die Presse nach der ersten Wetten, dass..? Sendung auch eine Totgeburt bescheinigt. Bei Thomas Gottschalk hieß es dann nach zwei Ausgaben: „Wir wollen Frank Elstner wieder haben“. Kritiker haben nicht immer Recht.

Sternzeichen: Widder

Am meisten aber hat mich beeindruckt, wie Elstner mit Niederlagen umgeht. Besonders bei Nase vorn war er immens viel Häme ausgesetzt. Während er in den achtziger Jahren durch Wetten, dass..? der beliebteste Showmaster Deutschlands war, wurde er mit Nase vorn zum Buhmann der Nation. In der Zeit des Internets wäre das ein Shitstorm gewesen. „Was ist bloß mit Frank Elstner los?“ fragte eine Zeitung scheinheilig nach der zweiten Ausgabe. Und was macht er? Er zieht sich zurück, berappelt sich, betritt mit neuem Schwung die Bühne und versucht, es besser zu machen. Von Selbstmitleid hält er ohnehin nichts. Vor allem aber steht er zu der Show, weil er weiß: im Kern ist sie gut.

Und wenn eine Sendung tatsächlich abgesetzt wird, kann Elstner auch einen Haken darunter machen. „Wenn ein Maler eines seiner Bilder nicht verkaufen konnte,“ sagte er, „dann hat er das ja nicht unbedingt weniger gern.“ Diese Einstellung hat was, dachte ich mir: innere Größe. Von diesem würdevollen Scheitern schaute ich mir etwas ab. Ich übernahm, was er in Interviews gesagt hatte: „Wenn man alles versucht hat, gibt es kein wirkliches Versagen.“ In der Zeit von Nase vorn war ich Student und verlor dadurch sämtliche Prüfungsängste. Showbusiness als Lebenshilfe sozusagen.

Und nach jedem Misserfolg kam Elstner mit neuen Sendungen wieder. Besonders gefreut hat mich, dass er gesagt hat: Wenn ihm eine neue Fernsehsendung einfällt, bietet er die noch mit neunzig an. Genau das wünsche ich mir.