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Erfinder, Menschenkenner, Stehaufmännchen – Frank Elstner aus der Nähe

Foto (c) Zoo Agency GmbH http://www.zooagency.de

In der Schule war er der kleine Junge mit dem Glasauge und wurde oft übergangen oder gehänselt. Aber wenn er vor der Klasse ein Gedicht aufsagte, dann hörten ihm plötzlich alle zu. Gehör muss sich Frank Elstner jetzt nicht mehr verschaffen. Auch ich hörte ihm gut zu, als ich mich das erste Mal mit ihm unterhielt. Das war 1990. Da saß ich im Publikum der von ihm moderierten ZDF-Sendung Wir stellen uns und sprach ihn hinterher an, weil ich einen Rat wollte, an wen ich eigene Showkonzepte schicken sollte. Tipps gab er mir gleich einige. Und dass er großes Interesse am Nachwuchs hat, erfuhr ich Jahre später als Redakteur bei ihm in Baden-Baden.

„Der andere könnte Recht haben“

Frank Elstner mag Menschen. Er interessiert sich für sie und hört ihnen zu. Deshalb sind seine Gespräche auch so gut. Das ist so in seinen Sendungen, genauso wie im wirklichen Leben. Auch da schätzt er die Personen um ihn herum. Er ist zum Beispiel sehr darauf bedacht, sich um jeden einzelnen Mitarbeiter zu kümmern. Vor einer Sendung gibt er jedem Tontechniker und Kabelträger die Hand. An einem Montag kam er in die Redaktion von Menschen der Woche, versammelte alle Mitarbeiter und sagte: „Leute, ich habe am Samstag fürchterlich schlecht moderiert.“ Gemeinsam haben wir dann die Sendung angeschaut und immer das Band angehalten, wenn ihm etwas nicht gefiel. Er wollte von jedem wissen, was man besser hätte machen können. Ein Lebensmotto für ihn ist der Satz des Philosophen Hans-Georg Gadamer: „Der andere könnte Recht haben.“ Das kann für ihn der Unterhaltungschef genauso wie der Praktikant oder seine Ehefrau sein. Bei der Sitzung holte er auf diese Weise die Mitarbeiter auf seine Seite. Das war die eindrucksvollste und konstruktivste Redaktionssitzung, die ich je erlebt habe.

Der Elstnertainer

Überhaupt ist Elstner ein ausgezeichneter Gastgeber. Wieder gilt: auf der Bühne wie auch in Wirklichkeit. Er kann gönnen und ist großzügig; Geiz ist ein Fremdwort für ihn. Als ich an meinem Geburtstag Pizza und Nudeln für die Redaktion bestellte, war es nicht ganz leicht, ihn zu überreden, die Einladung zu seinen geliebten Penne arrabiata für 7,50 Euro anzunehmen. Und wenn man dann zusammen mit ihm isst, kann er wunderbar Geschichten erzählen. Er ist ein brillanter Verkäufer und kann eine Kleinigkeit als absolutes Highlight präsentieren. Auch kennt er unzählige Geheimnisse von Prominenten, ist aber stets diskret dabei. Als großer Menschenkenner durchschaut er die Leute schnell. Vormachen kann man ihm nichts.

Elstner ist auch viel lockerer und lustiger als manch einer glaubt, der ihn ausschließlich aus den Medien kennt. Er hat einen etwas trockenen, manchmal sarkastischen Humor. Als er mal wegen der Quoten schlecht gelaunt war, meinte seine Frau zu ihm: „Mensch, nimm dich doch nicht so wichtig!“ Das hat er sich zu Herzen genommen, sagt er. Mehr Gelassenheit ist ein erklärtes Ziel von ihm im Alter.

„Ihr müsst wie Trüffelschweine sein“

Als seine wichtigste Eigenschaft bezeichnet er seine Neugierde. Wenn er eine Zeitung durchblättert, findet er auf Anhieb zehn Themen und Gäste, die sich für eine Talkshow eignen. „Ihr müsst wie Trüffelschweine sein“, sagte er zu uns Redakteuren, als wir für die Sendung keine guten Gäste fanden. Sich selbst sieht er auch als Journalist, der Fernsehen macht, und weniger als Entertainer.

Auch ohne Entertainer-Qualitäten ist er für mich der Kreativste und Verrückteste – im positiven Sinn – im deutschen Fernsehen, und im Kopf der Jüngste. Er will Unterhaltung ständig weiterentwickeln; etwas erfinden, was es noch nicht gibt. Dabei hat er die Methode, sich die Frage zu stellen: was fehlt im Fernsehen? So fragte er einst: warum wird im deutschen Fernsehen nicht gewettet? Oder: warum gibt es keine Gesprächsreihe mit Nobelpreisträgern? Zuvor hatte er im französischen Fernsehen eine Sendung mit dem Titel The Einsteins gesehen. Und weil ihm Tutti Frutti nicht gefiel, wollte er eine Sendung, die mal die Männer vorführt, und schuf Mann o Mann, das übrigens international noch erfolgreicher war als Wetten, dass..?.

Die Show zur Flasche

Sein Einfallsreichtum und seine Geschwindigkeit sind atemberaubend. Er erfindet auf Anhieb neue Sendungen und Spiele. Als er mich mal nach der Arbeit nach Hause fuhr, dachte er sich während der zehnminütigen Fahrt drei Formate rund um das Thema „Auto“ aus, weil er meinte, dass es keine wirklich gute Sendung dazu gäbe. Und wenn beim Essen eine Flasche Wein auf dem Tisch steht, überlegt er sich, was für eine Show man um diese Flasche herum machen könnte.

Elstner ist wagemutig, wie ein Spieler. Anstatt einen sicheren Posten in einem Sender einzunehmen, machte er sich als freier Produzent selbstständig. Etwas Neues auf den Markt zu bringen, bedeutet immer ein Risiko, finanziell und ideell. Und Flops gab es einige: von Elstner und die Detektive gab es nur eine Folge, und Flieg mit Air-TL wurde nach drei Ausgaben beendet. Mich haben seine Misserfolge immer mindestens so fasziniert wie seine Erfolge. Weil mich ihre Ansätze und Elemente begeistert haben. Deshalb wollte ich sie gegenüber Kritikern verteidigen. Bei Elstner und die Detektive unterhielt er sich mit einem Prominenten an einem geheimen Ort, und die Fernsehzuschauer mussten dieses Versteck erraten. Und Flieg mit Air-TL war die erste Reisespielshow aus einem fliegenden Flugzeug. Übrigens hat ihm die Presse nach der ersten Wetten, dass..? Sendung auch eine Totgeburt bescheinigt. Bei Thomas Gottschalk hieß es dann nach zwei Ausgaben: „Wir wollen Frank Elstner wieder haben“. Kritiker haben nicht immer Recht.

Sternzeichen: Widder

Am meisten aber hat mich beeindruckt, wie Elstner mit Niederlagen umgeht. Besonders bei Nase vorn war er immens viel Häme ausgesetzt. Während er in den achtziger Jahren durch Wetten, dass..? der beliebteste Showmaster Deutschlands war, wurde er mit Nase vorn zum Buhmann der Nation. In der Zeit des Internets wäre das ein Shitstorm gewesen. „Was ist bloß mit Frank Elstner los?“ fragte eine Zeitung scheinheilig nach der zweiten Ausgabe. Und was macht er? Er zieht sich zurück, berappelt sich, betritt mit neuem Schwung die Bühne und versucht, es besser zu machen. Von Selbstmitleid hält er ohnehin nichts. Vor allem aber steht er zu der Show, weil er weiß: im Kern ist sie gut.

Und wenn eine Sendung tatsächlich abgesetzt wird, kann Elstner auch einen Haken darunter machen. „Wenn ein Maler eines seiner Bilder nicht verkaufen konnte,“ sagte er, „dann hat er das ja nicht unbedingt weniger gern.“ Diese Einstellung hat was, dachte ich mir: innere Größe. Von diesem würdevollen Scheitern schaute ich mir etwas ab. Ich übernahm, was er in Interviews gesagt hatte: „Wenn man alles versucht hat, gibt es kein wirkliches Versagen.“ In der Zeit von Nase vorn war ich Student und verlor dadurch sämtliche Prüfungsängste. Showbusiness als Lebenshilfe sozusagen.

Und nach jedem Misserfolg kam Elstner mit neuen Sendungen wieder. Besonders gefreut hat mich, dass er gesagt hat: Wenn ihm eine neue Fernsehsendung einfällt, bietet er die noch mit neunzig an. Genau das wünsche ich mir.

Nase vorn: Die wertvollste aller Shows

Nase-vorn-Lampe

Die Erwartungen hätten nicht höher sein können. Als „Show der neunziger Jahre“ wurde sie vom ZDF angekündigt, von einer „Revolution der Fernsehunterhaltung“ war die Rede, „noch besser als Wetten, dass..?“ hieß es im Vorfeld. Frank Elstners Nase vorn, die damals teuerste deutsche Fernsehsendung, sollte 1988 den Samstagabend wiederbeleben und neue Maßstäbe setzen. Die Neugierde bei Publikum und Presse war riesengroß. Dementsprechend hoch waren bei der Premiere auch die Einschaltquoten. Doch die Öffentlichkeit reagierte anders als gewünscht. Zu langweilig, zu kompliziert sei die Show. Kein gutes Haar wurde an ihr gelassen. „Nase voll!“ und „Nase ab!“ titelten die Zeitungen. Zwar beruhigte sich nach der dritten Ausgabe und einigen Änderungen die öffentliche Diskussion ein wenig, und Nase vorn und Elstner schienen im Aufwind. Dennoch blieb die Kritik und biss sich fest. Und von Sendung zu Sendung kamen auch die Zuschauer abhanden. Nach 13 Ausgaben schmiss Elstner schließlich das Handtuch. Immerhin war die Show über den gesamten Verlauf quotenmäßig die zweiterfolgreichste Sendung des ZDF nach Wetten, dass..?. Trotzdem gilt es als größter Flop von Sender und Elstner. Leider. Denn um es klar zu sagen: Nase vorn war meine absolute Lieblingssendung, und sie ist es immer noch. Ich halte sie für Frank Elstners Meisterstück; das Kreativste, was er je gemacht hat. Und das aus vielen Gründen.

Show mit Botschaft

Nase vorn wurde als die Show der Zukunft angekündigt, und das war sie auch im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie hatte die Zukunft zum Inhalt. In der Sendung wurden Menschen vorgestellt, die auf irgendeinem Gebiet führend waren. Das waren meist Erfinder und Problemlöser. Da gab es den Ingenieur, der den Bus der Zukunft konstruiert hatte; die Bewohner eines Altersheims, die ihren langweiligen Alltag mit einem eigenen, hausinternen Fernsehen bunter machten; den Jogger, der beim Laufen durch den Wald Müll einsammelte; den Polizisten, der Türkisch gelernt hatte und jetzt türkischen Kindern Märchen in ihrer Sprache vorlas; und schließlich den Erfinder eines Spielautomaten, der Plastikflaschen und Batterien spielend einfach entsorgte. Unvergessen auch die Zahnärzte, die mit originellen Methoden ihren Patienten die Angst nahmen. Im Behandlungsstuhl saß übrigens Norbert Blüm, der damalige Arbeits- und Sozialminister – und Feind aller Zahnärzte. Eine Sternstunde des deutschen Fernsehens!

Daneben präsentierten Werbeagenturen Spots, die Probleme und Themen originell behandelten. Da wurde für Hausmänner geworben, der Spruch „peinlich ist menschlich“ lustig umgesetzt oder der Baum des Jahres gekürt. Und in der Sendung kurz nach der Maueröffnung sang ein deutsch-deutscher Jugendchor „Wir sind grenzenlos“. Grenzenlos schien auch die Fantasie all dieser Menschen, die das Leben lebens- und liebenswerter machten.

So fand auf der Bühne eine Revue voller Ideen statt, die konstruktiv, kreativ und originell waren und die Menschen im Kleinen und Großen weiterbrachten. Die Gäste waren beispielgebend für die Zuschauer, ob jung oder alt, und damit wie geschaffen für eine generationenverbindende Show. Mit seinen Botschaften und seiner Philosophie wurde Nase vorn für mich zur wertvollsten Sendung im deutschen Fernsehen.

Nase-vorn-Vorspann mit Eurovisionshymne

Es wird gerubbelt!

Zu diesen Inhalten kamen viele weitere moderne und fortschrittliche Elemente. Die Sendung spielte mit neuen Techniken, mit denen wir alle leben. Die ersten Faxgeräte wurden vorgestellt. Auch Heimcomputer, die damals überall Einzug hielten, kamen spielerisch zum Einsatz. Dann das Bühnenbild: das Kandidatenpanel war beweglich und rotierte auf Luftkissen. Genauso wie die Bühnenwände, hinter denen sich weitere Attraktionen verbargen. Außerdem bekam jeder Saalzuschauer eine Lampe. Durch Ein- und Ausschalten konnte das Publikum über Kandidaten und Themen abstimmen. Das ergab stimmungsvolle Bilder, wie bei einem Rockkonzert.

Am aufsehenerregendsten aber waren die Rubbelkarten, die von der Post mit der Telefonrechnung an die Haushalte verschickt wurden. Damit konnten die Fernsehzuschauer während der Sendung von zu Hause aus aktiv mitspielen. Was für ein Einfall, diese lustige und spannende Spielart mit einer Show zu verbinden! Die Rubbelkarten sind für mich Vorreiter für das Mitspielen mit Handys, das heute bei Fernsehsendungen gang und gebe ist.

Vorreiter und Trendsetter

In der Show steckten so viele neue Ideen – man könnte leicht mehrere Sendungen daraus machen. Ohnehin waren unter den neuen Elementen viele, die man später in anderen Formaten wiederfand. Und zwar nicht nur die beweglichen Bühnenteile und die Lichter im Publikum, sondern auch die Problemlöser selbst: Die Unternehmensgründer in der Höhle der Löwen sind alle klassische Nase vorn -Kandidaten. Und Das Ding des Jahres läuft direkt ab wie Nase vorn: Erfinder, über die das Publikum abstimmt. Auch ein Casting gab es schon in Nase vorn. In der ersten Ausgabe fand ein Nachwuchswettbewerb für Fernsehansagerinnen statt, später einer für Schauspielerinnen.

Nase-vorn-Rubbelkarte

Stimmung: heiter-besinnlich

Aber warum setzte sich die Sendung nicht durch? Wichtig ist, dass nach Wetten, dass..? die Fallhöhe sehr groß war. Noch dazu, weil Nase vorn nicht nur als die Show der Zukunft angekündigt worden war, sondern auch als die Show der Superlative. Der geniale Showtitel und der wunderbare Vorspann mit den rennenden Nasenhörnchen versprachen zusätzlich Tempo und Spannung. Die damit verbundenen Erwartungen der Zuschauer wurden aber nicht erfüllt. Denn das Prinzip war eben nicht schneller, höher, weiter. Elstner hatte gesagt, er wolle „Menschen vorstellen, die etwas zu erzählen haben“, und er möchte, „dass in der Sendung gelächelt wird.“ So war die Stimmung in der Show eher heiter-besinnlich. Das empfanden viele Zuschauer als langweilig. Und wenn sich der Zuschauer langweilt, ist er schnell gnadenlos.

Dann war das Spektrum der Menschen, die die Nase vorn hatten, sehr breit, vielleicht zu breit. Die Sendung hatte in ihrer Fülle keine klare Ausrichtung und kein deutliches Profil. Dadurch blieb die Botschaft oft verschwommen.

Verkannt und nicht verrannt

Insgesamt kam die Show zu früh auf den Fernsehmarkt und war ihrer Zeit voraus. Die Öffentlichkeit hatte keine Wertschätzung für die Gedanken, die ihr zugrunde lagen. So gab es die Sendung nur zwei Jahre. Für mich hätte sie ewig laufen können. Denn durch ihren Inhalt und ihre Form wäre sie immer zeitgemäß und damit zeitlos gewesen. Und wenn ich jetzt an die Lichter im Publikum denke, an die vielen großen und kleinen Ideen und an die Rubbel-Musik, dann hat Nase vorn etwas Magisches. Es ist wie mit einer schönen Tasse, die einen kleinen Sprung hat: die liebt man oft am meisten.

Giftige Wetten

Zu gefährlich, zu geschmacklos oder nicht mit Fernsehkameras darstellbar: die Vorschläge von Zuschauern, die zu absurd sind, um es in die Show Wetten, dass..? zu schaffen, lagern im sogenannten Giftschrank des ZDF. Hier eine Auswahl (chronologisch geordnet):

Wetten, dass…

  • ich durch das Küssen eines weiblichen Schlüsselbeins das Herkunftsland der jeweiligen Dame bestimmen kann? (Benny S., 31.1.2000)
  • Herr S. mit dem Augenhöhlenknochen eine Bierflasche öffnen kann? (Detlef F., 26.1.1999)
  • mein Freund zwei Busse mit den Haaren 500 Meter weit ziehen kann? (Mustafa A., 6.1.1998)
  • ich mit einem Gabelstapler eine Zahnfüllung einsetzen kann? (Friedhelm H., 10.3.1988)
  • wir innerhalb von zwei Stunden mit 24 Spitzhacken unser Schulgebäude einreißen können? (Klasse 10c eines Gymnasiums aus Cuxhaven, 17.2.1988)
  • ich mit meinem Motorrad zwischen den Schienen schneller fahre als ein Eilzug? (Andreas H., 7.2.1988)
  • wir den Gehalt an Frostschutzmittel im Kühlerwasser durch Schmecken bestimmen können? (Thomas Z. und Wolfgang D., ohne Datum)

Quelle: derstandard.at, sz-magazin.sueddeutsche.de

Wetten, dass..? forever

Zum 40. Geburtstag: Warum die legendäre ZDF-Show auch in Zukunft laufen sollte

Originalkarte für die Saalwette von Wetten, dass..?

Haben Sie auch den Bauern gesehen, der seine Kühe am Schmatzen erkannte? Und den Motocross-Fahrer, der schneller als ein Ski-Weltmeister die Piste hinunterraste? Oder die beiden Bodybuilder, die mit ihren Brustmuskeln im Musik-Rhythmus zuckten? Solche Fragen stellte man sich regelmäßig gegenseitig am Tag nach Wetten, dass..?. Vor 40 Jahren, am 14. Februar 1981, lief die erste Ausgabe. Damals brachte ein Schmied ein Stück Eisen durch Muskelkraft zum Glühen, ein Kandidat blies eine Wärmflasche auf, bis sie platzte, ein anderer konnte die Zahl Pi bis auf 100 Stellen hinter dem Komma auswendig, und eine 16-jährige Schülerin sprang vom Ein-Meter-Brett ins Wasser, ohne mit dem Kopf unterzutauchen.

Zuvor hatte Frank Elstner die Wette eines Zuschauers vorgelesen: „Wetten, dass diese Sendung ein Reinfall wird?“ Auch die Presse prognostizierte Elstner und dem ZDF eine Totgeburt. Und Regisseur Alexander Arnz drückte sich vor der Premierenfeier, weil er glaubte einen Mega-Flop inszeniert zu haben. Der Rest ist Fernsehgeschichte.

Wetten, dass..? könnte auch in Zukunft laufen. Das Konzept ist für die Fernsehunterhaltung was die Relativitätstheorie für die Physik ist: eine geniale, bahnbrechende Formel. Und es ist zeitlos. Nach dreieinhalb Jahrzehnten Laufzeit hat es das längst bewiesen. Warum also nicht weitere Jahre?

Klar, die Medienlandschaft hat sich verändert. Auf YouTube gibt es zu Hauf verrückte Aktionen, und über Instagram ist jeder Weltstar 24 Stunden abrufbar. Aber Konkurrenz belebt das Geschäft, mehr denn je. Und wenn Hugh Jackman live am Samstagabend Ursula von der Leyen auf Händen zur Wett-Couch trägt, und Harald Schmidt im zu engen Eislaufkostüm durch die Halle rast, dann gibt es das nur bei Wetten, dass..? und ist unersetzbar.

Dennoch hat es mittlerweile reichlich Kopien auf anderen Sendern gegeben, bei denen man ständig an irgendeiner Stelle „Wetten, dass..?“ sagen könnte. Umso mehr fehlt das Original, das mit seinem unverwechselbaren Charme generationenverbindende, stilvolle und dem Zuschauer gegenüber aufrichtige Live-Unterhaltung bot. Und weil wirklich mal ein Schummler dabei war, wurde das konsequent aufgearbeitet, damit es nicht mehr vorkommt.

Große Familienunterhaltung wird zwar immer schwieriger, weil jeder ganz nach Belieben seine eigenen Medien konsumiert: der Vater sitzt am Fernseher, die Mutter am Tablet, das Kind am Smartphone. Aber zehn Millionen Zuschauer sind möglich, wie der Tatort, eines der letzten Fernseh-Lagerfeuer, regelmäßig beweist.

Auf jeden Fall muss Wetten, dass..? Gesprächsstoff im Büro – und jetzt auch in den sozialen Medien – sein. Das kann die Wetten betreffen, aber auch Streit- und Geschmacksfragen. Eine Diskussion über das freizügige Outfit eines Popstars oder über den gewagten Spruch des Moderators? Instagram und Twitter sind dafür wie geschaffen. Die Show war immer ideales Fernsehen, weil sie zur Kommunikation und Auseinandersetzung anregte. Dabei muss aber immer der Grundkonsens siegen, und zwar die Begeisterung der Menschen für die Sendung.

Höchste Zeit also, dass im Herbst wieder gewettet wird. Auch wenn es laut Thomas Gottschalk eine einmalige Nostalgie-Veranstaltung und keine Neuauflage, die in Serie geht, werden soll. Einschaltquote und Reaktion der Öffentlichkeit werden es zeigen. Worüber man wohl danach reden wird..?