Allgemein, Fernsehen

Wetten, dass..? forever

Zum 40. Geburtstag: Warum die legendäre ZDF-Show auch in Zukunft laufen sollte

Originalkarte für die Saalwette von Wetten, dass..?

Haben Sie auch den Bauern gesehen, der seine Kühe am Schmatzen erkannte? Und den Motocross-Fahrer, der schneller als ein Ski-Weltmeister die Piste hinunterraste? Oder die beiden Bodybuilder, die mit ihren Brustmuskeln im Musik-Rhythmus zuckten? Solche Fragen stellte man sich regelmäßig gegenseitig am Tag nach Wetten, dass..?. Vor 40 Jahren, am 14. Februar 1981, lief die erste Ausgabe. Damals brachte ein Schmied ein Stück Eisen durch Muskelkraft zum Glühen, ein Kandidat blies eine Wärmflasche auf, bis sie platzte, ein anderer konnte die Zahl Pi bis auf 100 Stellen hinter dem Komma auswendig, und eine 16-jährige Schülerin sprang vom Ein-Meter-Brett ins Wasser, ohne mit dem Kopf unterzutauchen.

Zuvor hatte Frank Elstner die Wette eines Zuschauers vorgelesen: „Wetten, dass diese Sendung ein Reinfall wird?“ Auch die Presse prognostizierte Elstner und dem ZDF eine Totgeburt. Und Regisseur Alexander Arnz drückte sich vor der Premierenfeier, weil er glaubte einen Mega-Flop inszeniert zu haben. Der Rest ist Fernsehgeschichte.

Wetten, dass..? könnte auch in Zukunft laufen. Das Konzept ist für die Fernsehunterhaltung was die Relativitätstheorie für die Physik ist: eine geniale, bahnbrechende Formel. Und es ist zeitlos. Nach dreieinhalb Jahrzehnten Laufzeit hat es das längst bewiesen. Warum also nicht weitere Jahre?

Klar, die Medienlandschaft hat sich verändert. Auf YouTube gibt es zu Hauf verrückte Aktionen, und über Instagram ist jeder Weltstar 24 Stunden abrufbar. Aber Konkurrenz belebt das Geschäft, mehr denn je. Und wenn Hugh Jackman live am Samstagabend Ursula von der Leyen auf Händen zur Wett-Couch trägt, und Harald Schmidt im zu engen Eislaufkostüm durch die Halle rast, dann gibt es das nur bei Wetten, dass..? und ist unersetzbar.

Dennoch hat es mittlerweile reichlich Kopien auf anderen Sendern gegeben, bei denen man ständig an irgendeiner Stelle „Wetten, dass..?“ sagen könnte. Umso mehr fehlt das Original, das mit seinem unverwechselbaren Charme generationenverbindende, stilvolle und dem Zuschauer gegenüber aufrichtige Live-Unterhaltung bot. Und weil wirklich mal ein Schummler dabei war, wurde das konsequent aufgearbeitet, damit es nicht mehr vorkommt.

Große Familienunterhaltung wird zwar immer schwieriger, weil jeder ganz nach Belieben seine eigenen Medien konsumiert: der Vater sitzt am Fernseher, die Mutter am Tablet, das Kind am Smartphone. Aber zehn Millionen Zuschauer sind möglich, wie der Tatort, eines der letzten Fernseh-Lagerfeuer, regelmäßig beweist.

Auf jeden Fall muss Wetten, dass..? Gesprächsstoff im Büro – und jetzt auch in den sozialen Medien – sein. Das kann die Wetten betreffen, aber auch Streit- und Geschmacksfragen. Eine Diskussion über das freizügige Outfit eines Popstars oder über den gewagten Spruch des Moderators? Instagram und Twitter sind dafür wie geschaffen. Die Show war immer ideales Fernsehen, weil sie zur Kommunikation und Auseinandersetzung anregte. Dabei muss aber immer der Grundkonsens siegen, und zwar die Begeisterung der Menschen für die Sendung.

Höchste Zeit also, dass im Herbst wieder gewettet wird. Auch wenn es laut Thomas Gottschalk eine einmalige Nostalgie-Veranstaltung und keine Neuauflage, die in Serie geht, werden soll. Einschaltquote und Reaktion der Öffentlichkeit werden es zeigen. Worüber man wohl danach reden wird..?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s